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Mariano Lamberti (R): Good as You - Alle Farben der Liebe

Mariano Lamberti (R): Good as You - Alle Farben der Liebe

I 2012, italien. OF, dt. UT, 95 Min.,  17.99
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Alive
Inhalt
Das moderne, queere, wilde Italien sorgt mit seinen Filmen immer wieder für Aufsehen. Mir fallen da sofort Titel wie »Hamam«, »Le fate ignoranti «, »Der schönste Tag in meinem Leben«, »Davids Geburtstag« oder »Männer al dente« ein. Die neuere Produktion des queeren Filmschaffens hebt sich deutlich von der gesellschaftskritischen Avantgarde eines Pasolini oder Visconti ab. Es überwiegen nun die Komödien - was auch für den Film zutrifft, den ich hier empfehlen möchte: »Good as You - Alle Farben der Liebe« von Mariano Lamberti. Mariano Lamberti hat sich in diesem Film, der zum queeren italienischen Kinohit des Jahres avancierte, ganz auf Komödie verlegt, die er absichtlich extrem reißerisch, plakativ und schrill gehalten hat, um zur Doppelmoral und korrupten Verlogenheit Berlusconi-Italiens Stellung zu beziehen. Er verzichtet ganz bewusst auf weich gezeichnete, vielschichtige Figuren und setzt dann auch noch auf Tempo und plakative Überzeichnung. Kein Wunder, dass eine katholische Fundamentalistengruppe dieser Vorgehensweise auf den Leim ging und - den Untergang des Abendlandes in Form einer Nicht-mehr- Exklusivität der Heteroehe vorhersehend - zum landesweiten Boykott des Films aufrief. Der Erfolg des Films lässt schließen, dass den Homophoben selbst in Italien - Land des Vatikans und der katholischen Kirche - langsam die Reichweite ausgeht. »Good as You« ist auch insofern bemerkenswert, weil er versucht, allen sexuellen Orientierungen gerecht zu werden. Es wimmelt nur so vor lauter schwulen, lesbischen und bisexuellen Figuren. Und ein paar Transgenderpersonen und Heteros kommen auch vor. Die beiden Hauptfiguren sind zwar schwul - Claudio und Adelchi - aber auch die Lesben kommen in dem Film voll zu ihrem Recht (d.h. auch die Zuschauerinnen auf ihre Kosten). Alles ist da irgendwie im Fluss - zugespitzt auf die Frage, wie wir Queeren es denn mit dem Nachwuchs halten. Die Antwort des Regisseurs auf diese Frage fällt nun reichlich schräg aus - sollen es doch Lesben und Schwule einmal richtig körperlich unter Überwindung aller Abscheu einmal miteinander versuchen! Gut: wir haben es hier mit einer Komödie zu tun - Gleichzeitig zeichnet er das Bild einer queeren Community Italiens, die - auch wenn Schwule und Lesben sich nicht immer lieben, sich nicht einmal immer richtig verstehen oder ausstehen können - sie doch im entscheidenden Moment zusammenhalten. Einem Werbeslogan zufolge ist der Film eine »Feel-Good-Komödie« - an dieser Stelle muss man dem unbedingt zustimmen. Hinzu kommt ein beschwingter Soundtrack, für den die Kessler Zwillinge sich aus ihrem Divenhimmel herabgelassen und den Evergreen »The Lady With the Tutti Frutti Hat« absolut mitreißend auf den Stand der Zeit gehievt haben. Claudio - die eine Hauptfigur des Films - ist ziemlich schüchtern und HIV-positiv. Auf einer Party soll er sich mit dem höchst attraktiven Adelchi treffen, den er - mit Hilfe seiner lesbischen Schwester Francesca - mehr oder weniger freiwillig über das Internet kennen gelernt hat. Erst will Claudio nicht recht, lässt sich dann aber doch von Francesca breitschlagen mitzukommen. Es stellt sich heraus, dass außer den beiden Jungs und ihren Schwestern zunächst niemand auf der Party ist. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kommen sich Claudio und Adelchi näher. Währenddessen findet Francesca Adelchis nicht ganz so definitiv heterosexuelle Schwester Silvia überaus anziehend. Doch bevor sich zwei hübsche Pärchen bilden können, schlägt auch noch überraschend Superschwuchtel Marco auf und bringt seine aktuelle, heiße Flamme Latino-Macho Nico mit. Was anfangs wie eine gelungene Mischung wirkt, gerät immer mehr außer Rand und Band. Irgendwie beginnt bald jeder mit jedem zu streiten, und die wunderbare Eintracht ist dahin. Und als dann auch noch Mara aufkreuzt - Silvias lesbische Ex- Affäre, die einfach nicht wahrhaben will, dass Silvia die Seiten wechseln möchte -, geht es hoch her in der Wohnung von Adelchi und Silvia. Vor allem Mara und Marco liegen sich in den Haaren. Die scheinbar vermurkste Party lässt Adelchi und Silvia relativ ratlos zurück. Besonders Silvia ist verwirrt. Eigentlich möchte sie nur von Mara in Ruhe gelassen werden, kann nicht so recht etwas mit Francescas Flirten anfangen und hält schon heimlich Ausschau nach einem geeigneten Mann. Doch auch da hat sie ein unglückliches Händchen. Auch bei Marco und seinem Partyboy- Stecher Nico läuft nicht alles nach Plan - bei jeder Gelegenheit liefert Marco seinem Freund einen Beweis seiner Eifersucht in Form einer extrem dramatischen Szene. Das Ganze geht nicht mehr lange gut. Und in diesen Turbulenzen geht fast unter, dass sich zwischen Claudio und Adelchi eine süße Liebesgeschichte angebahnt hat - und schon droht der jungen Liebe Ungemach. Missverständnisse stellen das Verhältnis von Adelchi zu Claudio auf eine schwere Probe - es kracht gewaltig zwischen den beiden. Und schnell wird klar, dass man überall mit dem italienischen Problem von Lügen und Doppelleben konfrontiert ist - Dinge, die Beziehungen und das Zusammenleben überhaupt keineswegs leichter machen. Wen es nicht stört, dass der Film mit heißer Nadel gestrickt ist und die Figuren recht schrill daherkommen, bekommt mit »Good as You« sicherlich gute schwul-lesbische Gemeinschaftsunterhaltung geboten. Der Film kann problemlos vergleichbaren US-Produktionen das Wasser reichen. Und wirklich: wie es die katholische Fundamentalistengruppe behauptet hat: der Film propagiert doch tatsächlich die Gleichstellung von Homos mit Heteros mit Kinderkriegen und allem - wie ungeheuerlich ist das denn? Einer der seltenen Filme, die Lesben und Schwule sich gemeinsam anschauen können! (Jürgen empfiehlt, Winter Katalog 2012)
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