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Abdellah Taïa: Der Tag des Königs

Abdellah Taïa: Der Tag des Königs

Dt. v. A. Riehle. D 2012, 179 S., geb.,  20.51
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Suhrkamp
Inhalt
Omar und Khalid besuchen die gleiche Schule in der marokkanischen Hafenstadt Salé. Die beiden Teenager sind ein Paar, vor allem Omar liebt und verehrt Khalid blind. Sie verbindet eine Intimität, die einerseits noch sehr ihrem fast noch kindlich-jugendlichen Erleben verhaftet ist, andererseits schon ausgeprägt erwachsen ist, und das nicht nur beim gemeinsamen Sex. Dieses Erwachsensein geht vor allem von Omar aus. Omar stammt aus armen Verhältnissen, lebt allein mit seinem Vater, seine Mutter hat sie verlassen, seitdem muss er sich um seinen völlig gebrochenen Vater kümmern. Weil er auch der körperlich stärkere ist, hat er in der Beziehung zu Khalid eine Art Beschützerrolle, allerdings nur vordergründig, denn Khalid, der aufgrund seines wohlhabenden Elternhauses alle Bildungschancen ergreifen konnte, ist Omar intellektuell und vor allem rhetorisch überlegen. Als Khalid von der Schulverwaltung ausgewählt wird, dem marokkanischen König als Schülervertreter die Hände zu küssen und Omar dies vom Schuldirektor vor der ganzen Klasse erfährt, empfindet Omar dies als Verrat an ihm und ihrer Liebe. Denn offenkundig schämt sich Khalid auch immer ein wenig für seinen Freund, in entscheidenden Momenten lässt er ihn im Stich. Als die beiden ein letztes Mal gemeinsam nackt durch den Wald streifen, eskaliert der schwelende Konflikt. Khalid ist zerrissen zwischen bürgerlichem Strebertum und seiner immer noch starken Liebe zu Omar. Omar hofft inständig auf ein Signal Khalids, dass ihm das verlorene Vertrauen zurückgeben könnte. So lauern beide auf die Reaktion des anderen, während sich zugleich eine typisch jugendliche Todessehnsucht bei beiden entwickelt. - Abdellah Taïas Romane, »Der Tag des Königs« ist sein erster, der auf Deutsch erscheint, sind geprägt von erzählerischer Dichte: Kurze Sätze deuten vieles nur an, Missverständnisse eröffnen vielfältige Verständnismöglichkeiten ganzer Passagen. Atmosphärisch wirkt »Der Tag des Königs« darum oft wie ein orientalisches Märchen, nicht zuletzt wegen der Träume, die sich die beiden Jungs erzählen und die die Wirklichkeit teils vorwegnehmen, teils nachträglich verfremden. Zugleich ist »Der Tag des Königs« die Geschichte einer dramatisch schönen schwulen Jugendliebe, die ihre Erfüllung immer wieder in Gewalt und gegenseitiger Demütigung findet, weil die beiden Jungs ihre Gefühle für einander vor allem nicht mit ihrer unterschiedlichen sozialen Herkunft in Einklang bringen können. So entwickelt sich ein unentschiedenes Verhältnis von Traum und Realität, die eigenen oft unklaren Hoffnungen gegenüber fremdbestimmter Anpassung als jugendliche Gemütslage, das ist Abdellah Taïas Thema. Dabei ist es die besondere Kunst des Autors, diesen Zwiespalt als überwältigend schöne Geschichte mit dunklen, faszinierenden Dialogen zu erzählen. Der geschilderten Schrecken dieser Jugendliebe erscheint fast wie ein Idyll, man will es bewahren, hofft bis zuletzt auf eine romantische Auflösung. Doch Liebende wollen nicht aufbauen, Liebe treibt immer zur Zerstörung; für Omar und Khalid scheint es darum keinen Ausweg zu geben. Ein ergreifender Roman. (Veit empfiehlt, Sommer Katalog 2012)
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