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Valentine Honeyman: Bestseller

Valentine Honeyman: Bestseller

Dt. v. M. Neidhardt. D 2011, 303 S., Broschur,  17.37
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Satyr
Inhalt
Jeremy ist schwuler Schriftsteller, die Kritiken seiner Romane sind wohlwollend, sein Einkommen mäßig. Immerhin kann er von seinem Schreiben leben, aber mit hinreichend und vor allem kontinuierlich verabreichtem Gin Tonic lässt sich das Mittelmaß seines Erfolges ertragen. Als Jeremy jedoch eines Tages in der populärsten Nachmittagssendung des Landes den Namen seines ebenso verhassten wie (seiner Meinung nach) untalentierten Erzrivalen als kommenden Bestsellerautor präsentiert bekommt, kennt er kein Halten mehr. Er muss um jeden Preis selbst auf diese Liste. Paul, sein Lover, hat zunächst gar kein Verständnis dafür. Kein Wunder, denn seiner eigenen Einschätzung nach steht Jeremy »auf den etwas primitiveren Typ Mann«. Paul ist Bauarbeiter, sieht blendend aus, ist eine Granate im Bett, allerdings etwas bildungsfern und seine Ausdrucksweise ist auch nicht immer zitierfähig. Darum ist es auch nur eine Werktagsbeziehung, an Wochenenden hat sich Jeremy beziehungsfrei ausbedungen. Dafür sind Pauls Ansichten sehr bodenständig, ungehobelt, meistens richtig – nur eben ungeeignet für den Literaturbetrieb. Etwas extravagantere Ratschläge erhält Jeremy von seiner besten Freundin Robyn, die als ausgebuchte Domina zwar wenig Zeit hat, dafür umso ausgefallenere Ideen, die die beiden via Skype diskutieren. Doch es ist schließlich Jeremys Agentin Prue, die ihn bei der Literaturkritikerin einschleust, die die magische Bestseller-Liste erstellt: Jeremy soll unter falschem Namen den alternden Vater der Kritikerin betreuen und nach einer Gelegenheit suchen, sein Buch auf die Liste zu bringen. Natürlich ist der Plan nur unter Alkoholeinfluss plausibel, der alte Herr entpuppt sich als Schwulenhasser und verhinderter Womanizer, der Sekretär der Agentin dagegen als bösartigste Klemmschwester, in dessen Lover sich Jeremy bei seiner letzten Party-Tour auch noch verguckt hatte. Fettnäpfe lauern also überall und Jeremy tritt zielsicher in jeden sich bietenden hinein. – Valentine Honeymans »Bestseller« ist eine schwule Satire, lustig von der ersten bis zur letzten Seite – und vor allem: intelligent und mit feinem Humor geschrieben, ein »Lavendelschwert« der Kommunikationsgesellschaft. Die Hörigkeit gegenüber schwachsinnigen Massenansagen (eine Bestsellerliste im Nachmittagsfernsehen) die ausgefeilte intellektuelle Kritik daran – und schließlich die Kapitulation, Jeremy lebt es vor, ist sich der Peinlichkeiten bewusst und kann doch nicht dagegen an. Sein Lover Paul erweist sich unerwartet als solide Stütze, auf einmal scheint tatsächlich Liebe und nicht nur Sex ihre Beziehung zu tragen – doch auch Jeremys wachsende Hoffnung auf eine Romantik des liebenden und treuen intellektuell Unterlegenen erweist sich als eitel. Bestand hat nur Freundschaft, auch wenn sie nur über Skype aufrecht erhalten werden kann, die Massenmedien – und natürlich Alkohol. Soviel Wahrheit kann nur mit Humor ertragen werden, »Bestseller« macht Lust auf mehr. (Veit empfiehlt, Herbst Katalog 2011)
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