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Donald Windham: Zwei Menschen

Donald Windham: Zwei Menschen

Dt. v. A. Konrad. D 2010, 206 S., geb.,  20.46
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Lilienfeld
Inhalt
Der Urlaub des Amerikaners Forrest mit seiner Frau in Rom verlief desaströs. Schon nach kurzer Zeit hatten die beiden sich nichts mehr zu sagen, ödeten sich an und nervten sich zu Tode. Darum brach seine Frau den Urlaub ab, ging zurück nach Amerika; Forrest blieb allein in Rom zurück und kam in der zufällig leerstehenden Wohnung eines Freundes unter. Die Tage verbringt er mit Spaziergängen durch die Stadt. Natürlich ist ihm klar, was die Jungs an der Spanischen Treppe vor allem von Ausländern wollen: Taschengeld gegen Sex. Und so ist auch zunächst alles klar, als der 17jährige Marcello ihn anspricht. Beide beginnen eine ebenso leidenschaftliche wie sachlich-abgeklärte Beziehung: Zwar erwarten sie nicht, dass aus ihrer Affäre eine Beziehung entwickelte, schon gar keine monogame, auch sind beide fern von romantischen Gefühlsduseleien, und immer gibt es auch kleine oder großzügigere Zuwendungen von Forrest an Marcello. Aber beide sind einander herzlich zugetan, vermissen sich nach kurzer Trennungszeit und sowohl Forrest als auch Marcello empfinden den gemeinsamen Sex nicht nur als körperliche, sondern auch als emotionale Erfüllung. Problematisch ist vor allem Marcellos Familie, sein Vater empfindet eine regelrechte Abneigung gegen ihn. Nicht nur hält er ihn mit Taschengeld knapp, auch seine Ausbildung muss Marcello seinem despotischen Vater abtrotzen. Und natürlich steht er auch unter häuslicher Überwachung, so dass seine Treffen mit Forrest mitunter schwierig zu organisieren sind. Allen Widrigkeiten zum Trotz gelingt es Marcello, sich sowohl mit Forrest regelmäßig zu treffen, also auch seine weitere Lebensplanung voran zu bringen. Doch erst als der Sommer zu Ende geht und klar ist, dass Forrest abreist, wird Marcello bewußt, dass Forrest ihm mehr bedeutet hat – was, das bleibt offen. Es könnte die große Liebe sein oder einfach nur die Klarheit über sich, nur mit einem Mann glücklich werden zu können. - Der zweite Roman von Donald Windham, der erstmals auf Deutsch erscheint (nach »Dog Star« 2009), überrascht in mehrfacher Hinsicht. Zunächst sprachlich, denn »Zwei Menschen « ist in einer klaren und knappen Sprache verfasst, die zugleich eine beeindruckende, fast herbe Schönheit entfaltet. Ganz anders als »Dog Star«, die schwermütige Geschichte des deprimierten und verwirrten 16jährigen Blacky, der nach dem Selbstmord seines Freundes seine offenkundige Homosexualität verdrängt und darum immer aggressiver und gewalttätiger wird, gibt es in »Zwei Menschen« auch nicht eine Andeutung davon, dass es die Homosexualität wäre, die die Affäre von Marcello und Forrest zu einem Problem werden lassen könnte. Es geht vielmehr um die charakterlichen und gefühlsmäßigen Veränderungen, die diese Affäre in den beiden hervorruft. Diese Klarheit und Unverstelltheit der Sprache und des erzählerischen Blicks auf eine schwule Affäre, die für beide Männer einen neuen Lebensabschnitt beginnen lässt, überrascht umso mehr, als die Geschichte nicht nur in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts spielt, sondern auch geschrieben wurde. Windham, der mit Truman Capote und Tennessee Williams befreundet war, hatte damals Italien besucht, “Two People” ist das literarische Produkt seiner damaligen Eindrücke. Doch obwohl zeitliche und räumliche Platzierung des Romans so eindeutig sind, wirkt die Schilderung der Beziehung und Entwicklung von Forrest und Marcello zeitlos. Indem Windham völlig darauf verzichtet, Homosexualität als Problem zu thematisieren, und zwar weder als drohendes Problem, das beständig die Beziehung der beiden Männer bedroht, noch als im speziellen Fall gelöstes Problem, über das sich die beiden hinwegsetzen können, wird umso klarer, wie zwei (schwule) Menschen sich auf einander beziehen, was sie einander bedeuten und vor allem: wie sie sich hierdurch verändern. Und so überrascht “Zwei Menschen” über ein halbes Jahrhundert nach seiner ersten Veröffentlichung noch ein weiteres Mal, denn schwule Romane, die Homosexualität weder als drohendes noch als gelöstes Problem thematisieren, sind auch heute selten. Ein gerade aus schwuler Sicht literarischer Schatz also. (Veit empfiehlt, Frühlings Katalog 2011)
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