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Sébastien Lifshitz (R): Plein sud - Auf dem Weg nach Süden

Sébastien Lifshitz (R): Plein sud - Auf dem Weg nach Süden

F 2009, OF, dt.UT, 87 min.,  19.99
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Salzgeber - gay classics
Inhalt
Sébastien Lifshitz‘ neuer Film ist ein klassisches Road Movie, ähnelt aber rein ästhetisch betrachtet stark »Sommer wie Winter - Presque rien«, wobei die Handlung plausibler, straffer, zielgerichteter erscheint als in Letzterem. Beide Filme leben von den vorzüglich eingefangenen Sommerstimmungen. Eine besondere Faszination scheint das Meer auf Lifshitz auszuüben, das er immer wieder als Ziel- und Endpunkt seiner Filme auserkoren hat. Der 27jährige Sam sitzt am Steuer eines klapprigen Fords und fährt wie ein Getriebener gen Süden. Man merkt schnell: das ist keine Fahrt ins Blaue oder in den Urlaub. Im Laufe des Films wird klar, wie vermurkst die Seele dieses jungen Mannes eigentlich ist: er macht seine verrückte Mutter nicht nur für die eigene Malaise verantwortlich, ein Leben in Angst vor ihr und im Heim, sondern auch für den Selbstmord seines Vaters, den er als kleiner Junge aus nächster Nähe miterleben musste. Das Verhältnis von Mutter und Sohn ist völlig verunglückt, oft bis zum Clash angespannt, von Anfang an gespickt mit Enttäuschungen, Gefühllosigkeit, Missverständnissen und Vorhaltungen. Die Ablehnung der Mutter konnte bei Sam über Jahre vor sich hin köcheln, da sie immer wieder in psychiatrischer Behandlung gewesen ist. Nun ist sein Hass auf sie in eine finale Phase übergegangen. Sam hat sich die Pistole besorgt, mit der sich der Vater erschossen hat und ist auf dem Weg nach Süden, um die Mutter zu treffen und an ihr Rache zu nehmen. Unterwegs gabelt Sam ein junges Geschwisterpaar - Matthieu und Léa - auf, das vor irgendetwas - man erfährt nicht richtig was - auf der Flucht zu sein scheint. Sie fragen nicht groß, wo Sam hin will. Sie kommen einfach mit, egal wohin, Hauptsache: weg. Da Matthieu und Léa kaum weniger verkorkst sind als ihr Fahrer, wird die Fahrt zu einer Tour de force voll eruptiver, explosiver, manchmal sinnlos aggressiver Dialoge. Beide haben es auf Sam abgesehen - Léa wird dabei expliziter, Matthieu hat mehr Aussicht auf Erfolg. Ihm gelingt es allmählich ganze Sätze aus dem knurrigen Kerl herauszulocken. Sam scheint männlichen Avancen gegenüber zugänglicher zu sein. Aber echter Enthusiasmus sieht anders aus. Léa verliert schnell jegliches Restinteresse an Sam, als sie nach einem Einkauf im Supermarché mit einem jungen Kerl ins Gespräch kommt, der eindeutig etwas für sie übrig hat. Kurzerhand lädt sie diesen Jérémie ein mitzukommen. Da der junge Mann gerade nichts Besseres zu tun hat und auf Anhieb scharf ist auf Léa, willigt er ein und sitzt plötzlich als Vierter im Bunde in dem Auto - sehr zum Verdruss von Sam, der nicht mal gefragt worden ist, ob er etwas dagegen hat. Während Léa ganz mit ihrem neuen Schatz beschäftigt ist, entwickelt sich im Windschatten dieser Liebschaft zwischen Sam und Matthieu eine zaghaft-heimliche Geschichte. Doch Sam ist zunehmend genervt von Matthieus ständigen Fragen. Und allmählich kommt ihm Matthieu doch auf die Schliche. Die Frage ist: hält die sich gerade erst entwickelnde Beziehung zwischen Sam und Matthieu die gewaltige Wahrheit aus? Bilden sie bereits - ohne es zu ahnen - eine Schicksalsgemeinschaft? Lifshitz versteht es, auch in seinem neuen Film genial mit Landschaften und Stimmungen umzugehen. In dieser Kombination werden die Personen, die ja jede für sich echte Individuen sind, erst verdaulich. Man fragt sich, wie die Jungs - wie irgendeine Person - Matthieus zickig- sprunghafte Schwester auch nur ein paar Stunden, geschweige denn: ganze Tage - noch dazu verschärft in einem klapprigen, kleinen Auto ertragen kann, ohne durchzudrehen. Aber die Spannungen, die aus der Unterschiedlichkeit der Charaktere erwachsen, machen den Film so sehenswert. Manche Dialoge und die gesamte Erotik zwischen den Figuren entwikkeln sich wie Gewitter aus sich unerträglich aufstauender Luftfeuchtigkeit. (Jürgen empfiehlt, Frühlings Katalog 2011)

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