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Rainer Vollath: Zwei Lieben

Rainer Vollath: Zwei Lieben

D 2010, 207 S., Broschur,  15.32
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Querverlag
Inhalt
Auf zwei Zeitebenen erzählt Rainer Vollath die authentische Geschichte von Fritz. Im Berlin der 30er Jahre erlebt Fritz zunächst noch den letzten Abglanz der goldenen 20er, die Reste eines freizügenen schwulen Lebens, immer schon überschattet von den Repressalien der Nazis. Zunächst meint Fritz noch wie viele andere Schwule auch, es reiche aus, in Deckung zu gehen und abzuwarten. Doch dann wird Fritz in flagranti erwischt – und weil er schon auf einer Rosa Liste steht, kommt er sofort ins KZ Sachsenhausen. Dort ist schnell klar, dass die Träger des rosa Winkels in der Lagerhierarchie ganz unten stehen und faktisch keine Überlebenschance haben. Doch Fritz hat Glück, es gelingt ihm im Chaos seiner Verlegung ins KZ Flossenbürg, sich als »Politischer« auszugeben. Vor allem aber ist es die Liebe zu Jan, einem polnischen Zwangsarbeiter, die ihm in Flossenbürg Kraft gibt, und den beiden jungen Männern gelingt es sogar, im Terror des Lagers eine Beziehung zu führen. Jahre später erlebt Fritz in Westberlin die Anfänge der schwulen Emanzipationsbewegung. Doch Fritz ist zunächst sehr zögerlich, noch zu sehr steckt ihm nicht nur der Nazi-Terror, sondern auch die Repression der jungen Bundesrepublik in den Knochen. Befremdlich erscheint ihm auch, dass das Symbol der Bewegung eben der rosa Winkel sein soll, der ihn einmal fast das Leben gekostet hatte. Doch dann lernt er Will kennen, verliebt sich erneut und mit frischer Kraft schafft er es schließlich nicht nur, die Gedenkstätte Flossenbürg zu besuchen, sondern auch als erster Schwuler, eine staatliche Wiedergutmachung zu erstreiten. – Rainer Vollaths Geschichte (die übrigens auf einer authentischen Biographie beruht) ist in betont einfacher Sprache erzählt, die auf fast alle Stilmittel verzichtet. Der Effekt ist beeindruckend, denn die Erzählung wird dadurch gerade nicht unterkühlt oder eintönig. Vielmehr schafft es Rainer Vollath, als Erzähler ständig präsent zu bleiben. Zugleich tritt er emotional völlig in den Hintergrund. Diese scheinbar übersteigert sachliche Darstellung lässt jedoch besonders viel von Fritz‘ Gemüts- und Seelenverfassung durchscheinen, einerseits dem Überlebenswillen, der Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, andererseits der Angst, der selbst auferlegten Zurückhaltung. Fritz‘ zwei Liebesgeschichten fanden zu Zeiten statt, die für unser schwules gegenwärtiges Selbstbewusstsein entscheidend wurden. Das meiste können wir zwar aus Sachbüchern kennen; die unüberbrückbare Distanz des Erlebten zusammen mit der schlichten Unmittelbarkeit des Erzählten in »Zwei Lieben« lassen vieles jedoch allererst verständlich werden, was sonst regelmäßig mit der allgemeinen Verängstigung einer traumatisierten Generation abgehakt wird. (Veit empfiehlt, Sommer Katalog 2010)
Dieser Querverlag-Titel ist auch erhältlich als:
E-Book (epub), € 9.99
Taschenbuch, € 15.32
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