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Ellis Avery: Die Teemeisterin

Ellis Avery: Die Teemeisterin

Dt. v. B. Heller. D 2009, 575 S.,  10.28
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Heyne
Inhalt
Im Jahr 1866 findet sich die 9jährige Aurelia verwaist im fremden Kyoto. Die uneheliche Tochter einer Französin war in New York aufgewachsen, versteht nur Bruchstücke Japanisch und kennt im fremden Land niemanden. Durch eine glückliche Fügung wird sie von der Familie Shin aufgenommen, die eine Schule betreibt, in der Adelssprösslinge die traditionelle japanische Tee-Zeremonie erlernen können. Yukako, die Tochter des Hauses setzt sich erfolgreich für die kleine Unbekannte ein, die fortan den japanischen Namen Urako trägt. Japan ist ein noch völlig feudal organisiertes jeglichen Neuerungen und ausländischen Einflüssen verschlossenes Land. Das ändert sich schlagartig mit der Inthronisation des neuen Kaisers. Aurelia, die sich mühevoll einlebt und die Sitten und die Sprache des Landes erlernt, erlebt, wie Japan von oben revolutioniert wird, der alte Landadel entmachtet wird und mit einem Mal Neureiche und Ausländer den Ton angeben. Damit ist auch den Teeschulen die Basis entzogen. Yukako jedoch will die absehbare Verarmung nicht hinnehmen, gemeinsam mit Aurelia geht sie ins Geisha-Viertel der Stadt und lässt sich in den alten Unterhaltungstechniken unterweisen. Sie beginnt, gegen Geld Fremden japanische Kultur zu vermitteln. Yukako entwickelt sich zu einer emanzipierten Frau, die sich ein extravagantes Leben nun auch wirtschaftlich leisten kann. Aurelia erlebt dies aus der Perspektive des erwachsen werdenden Mädchens, und aus anfänglicher Bewunderung und Anhänglichkeit entwickelt sich eine lebenslange Leidenschaft für Yukako. Doch Yukako erwidert diese Liebe nicht, die Beziehung der beiden Frauen endet in einer Katastrophe. Trost findet Aurelia bei anderen Frauen, vor allem bei Inko, einer Dienerin der Geisha, von denen sie und Yukako ihre ersten Unterweisungen erhalten. Aurelia erzählt ihre Lebensgeschichte rückblickend im hohen Alter, als sie bereits wieder in New York lebt und zusammen mit Inko, die ihre Gefährtin wurde, ein kleines Geschäft betreibt. »Die Teemeisterin« fesselt zunächst einmal durch die Schilderung Japans, die Veränderungen in einem Land, das in kürzester Zeit ein gewaltiges kulturelles Erbe hat untergehen lassen, und von dessen Geschichte wir auch heute noch wenig wissen. Doch es ist Aurelias Perspektive, die beim Lesen die ganze Dramatik kultureller Fremdheit erfahren lässt. Aurelia schafft es nämlich durchaus, sich Sprache und Kultur Japans anzueignen, es auch zu einem Teil ihrer selbst werden zu lassen; und sie ist auch in keiner Weise sentimental gegenüber ihrer westlichen Herkunft. Was aber Aurelia vor allem auch nach ihrer Rückkehr nach New York erfährt, ist, dass eine Entwurzelung überhaupt nicht ausgeglichen werden kann, dass zeitlebens ein Grundgefühl der Heimatlosigkeit bleibt, ein Moment, das Ersehnte nie erreichen zu können. Dies als Lesbe zu erleben, verstärkt zum einen diesen Eindruck noch, denn zum kulturellen kommt das individuelle Außenseitertum hinzu; zum anderen hat es auch Rückwirkungen auf Aurelias Leben unter Frauen, denn von Yukako zurück gewiesen zu werden, war offenbar nicht der einzige Grund, weshalb sie zwar stets Wärme und intensive Nähe suchte, jedoch immer eine letzte Distanz bewahrte. (Veit empfiehlt, Sommer Katalog 2010)
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