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Matthias Frings: Der letzte Kommunist

Matthias Frings: Der letzte Kommunist

Das traumhafte Leben des Ronald M. Schernikau. D 2011, 488 S. mit S/W-Fotos, Pb,  20.51
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Aufbau-Verlag
Inhalt
Keine Biografie, sondern fast ein Roman über drei Leben, die traumhaft miteinander verbunden sind. Aber nur fast ein Roman, denn alles hat sich tatsächlich ereignet. 1980 zieht der gerade einmal 20jährige Autor Ronald M. Schernikau nach Berlin (West). Sein erstes Buch, die »Kleinstadtnovelle«, die das bundesrepublikanisch-perspektivlose Provinzleben eines schwulen Gymnasiasten schildert, war ein ebenso unerwarteter wie großer Erfolg, jetzt will er sich als Schriftsteller etablieren. In Berlin lernt er Matthias Frings kennen, der als Kellner seinen Lebensunterhalt verdient, ein bisschen schauspielert, erfolglos versucht, als Regisseur Theatergeschichte zu schreiben – und gerade an einem Buch arbeitet, das für viele Schwule enorm wichtig werden sollte. Der Rowohlt-Verlag hatte ihn und Elmar Kraushaar für »Männer. Liebe.« beauftragt, das erste deutschsprachige Buch, das offen und unverstellt schwules Leben darstellte. Frings, der pragmatische Schriftsteller, und Schernikau, der berufene Künstler, freunden sich rasch an. Politisch links ist damals sowieso jeder, der bei Trost ist, Schernikau jedoch ist strammer Kommunist und verklärt die DDR. Vor allem aber die ostdeutsche Literatur und der dortige Literaturbetrieb haben es ihm angetan, und es gelingt ihm schließlich, drei Jahre in Leipzig zu studieren. Doch danach will er nicht in den Westen zurück, er unternimmt alle Anstrengungen, die DDR-Staatsbürgerschaft zu erwerben – schließlich, im Sommer 1989 erfolgreich, wenngleich auch nur für wenige Wochen, denn kurz darauf bricht die DDR zusammen und schon hat die Bundesrepublik Schernikau wieder eingeholt. Nur ein Jahr nach der Wiedervereinigung stirbt Ronald Schernikau an den Folgen von AIDS. Dabei hatte seine Mutter mit ihm unter waghalsigen Umständen die Flucht aus der DDR gewagt, als Ronald noch ein kleiner Junge war – und das, obwohl sie überzeugte Kommunistin war (und, sie lebt noch, immer noch ist). Aber sie liebte einen Mann, der in den Westen gegangen war, und mit dem sie sich – irrig – eine gemeinsame Zukunft versprach. Der erwartete goldene Westen entpuppte sich jedoch als pure Tristesse. Diese drei jede für sich schon spannenden Geschichten erzählt Matthias Frings‘ Buch: die Geschichte des unersättlichen Ronald Schernikau, die Geschichte der unglücklichen Liebe von dessen Mutter, und seine eigene Geschichte im Berlin der 80er Jahre, und es ist nicht nur Frings‘ flotte Erzählsprache, sondern vor allem diese eigenwillige, mitunter verquere und zuweilen anrührende Verflechtung, die aus drei Lebensgeschichten (genauer: Ausschnitten davon) eine spannende Erzählung über Glanz und Ende der alten Bundesrepublik macht. Eine Zeit, in der Schwulsein auf einmal öffentlich wurde, in der Schwule wie Ronald Schernikau sich selbstverständlich durch die Betten schliefen, die große Liebe suchten und dieser die dramatischsten Szenen hinlegten ohne auch nur einen einzigen Gedanken an Spießereien wie die Homo-Ehe zu verschwenden. Aber auch eine Welt, die vielen keine Perspektive bot, wie für Ronald Schernikau, dem Geld fast nichts, Schreiben und öffentliche Beachtung dagegen alles bedeuteten. Dabei ist Matthias Frings weit davon entfernt, sei’s die Zeit, sei’s die Personen in seinem Buch zu verklären. Schernikaus kommunistische Tiraden werden milde zur Kenntnis genommen, zugleich seine (zahlreichen) Widersprüche nicht denunziert. Sich selbst sieht Frings fast belustigt distanziert und Schernikaus Mutter wird mit großer Wärme geschildert. So ist »Der letzte Kommunist« nicht nur ein spannendes Buch über schwules Leben vor 20 Jahren, es ist auch ein Buch darüber, wie man sich und seine Freunde sieht und sich in Beziehung zu ihnen setzt. Und es ist ein Stachel für alle, die – zumeist kokett – mit dem Kommunismus liebäugeln und sich selbst für den letzten Kommunisten halten. (Veit empfiehlt, Sommer Katalog 2009)
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