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Hans Pleschinski: Ludwigshöhe

Hans Pleschinski: Ludwigshöhe

D 2010, 583 S., Pb,  15.32
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Inhalt
Clarissa, Monika und Ulrich sollen das Vermögen ihres Onkels erben – und das ist so richtig viel. Doch die drei bekommen das Erbe nur, wenn sie die Villa ihres Onkels im Münchner Ortsteil Ludwigshöhe zu einem Hospiz für Selbstmordwillige machen, ihnen nicht nur Kost und Logis gewähren, sondern ihnen auch nützliche Hilfsmittel für den letzten Schritt bereit stellen. Clarissa, die Managerin aus der Londoner Finanzwelt, wird zur treibenden Kraft für die heikle Mission. Sie treibt Monika und Ulrich an, zerstreut deren Bedenken und organisiert die verdeckte Rekrutierung der Todessehnsüchtigen. Doch als sich das herrschaftliche Haus nach und nach mit den unterschiedlichsten Menschen füllt, stellen sich immer neue Probleme ein: die verzweifelten Finalisten entwickeln einen erschreckenden Lebenswillen, das Erbe gerät durch deren mangelnde Entschlusskraft in ernsthafte Gefahr. Zunehmend deprimiert hingegen werden die drei Geschwister – Clarissa enfaltet immer boshaftere Winkelzüge um die Hausbewohner an den Sinn ihres Aufenthaltes in Ludwigshöhe zu erinnern. Monika verzehrt sich derweil in Sehnsucht nach ihrer Geliebten und findet erst wieder Kraft, als Ilse bei ihr einzieht. Ulrich, eigentlich als schwuler Pulloverdesigner etwas bieder und folglich sexuell etwas versaut, versucht es mit Ablenkungsdates über ein verballhorntes Gayromeo, doch in Wahrheit hat er sich in einen jungen Selbstmordkandidaten, Tassilo, verliebt und setzt nun alles daran, dass dieser nicht sich das Leben, sondern ihn zum Mann nimmt. Schließlich kippt die morbide Stimmung endgültig und mit einem Vermögen nicht ganz geklärter Herkunft entfaltet sich im Haus eine barocke Lebensfreude, die Hoffnung auf ein Happy End für alle bereit hält. Diese abstrus-komische Geschichte wäre allein schon erzählenswert, der Roman enfaltet jedoch seine großartigsten Seiten in den Dialogen, die schonungslos die Banalität aller großen Gefühle und die Absurdität jeder stringenten Argumentation aufdecken. Feiner Wortwitz und subtile Situationskomik zwingen einen immer wieder zum Unterbrechen, weil man vor Lachen nicht mehr lesen kann. Naturgemäß kreisen viele Gespräche des Romans vordergründig um Tod, Selbstmord, das würdige Ende und die jeweils dramatisch vorgetragene Vorgeschichte. Doch Pleschinskis präzise Sprache zeigt, dass über den Tod in Wahrheit gar nicht gesprochen werden kann, dass je mehr geredet wird, umso mehr über das Leben und damit auch über die Freude am Leben gesagt wird. Dass diese Lebensfreude dann immer aus der vordergründig gegenteiligen Perspektive des geplanten Selbstmordes thematisiert wird, macht die Geschichte zu einer bizarren Parodie auf das normale, heterosexuelle Familienleben, das biologische Reproduktion als Keimzelle von Gesellschaft, Staat und Leben überhaupt stilisiert. Gerade dieses Leben ist die öde Nachbarschaft des Hauses auf der Ludwigshöhe, dessen bleierne Schwere Pleschinski gekonnt und gemein der sich immer stärker ausbreitenden Leichtigkeit im Haus der drei Geschwister entgegenstellt. Eine schönere und feinere Rehabilitation Ludwigs II. kann man sich fast nicht vorstellen. (Veit empfiehlt, Winter Katalog 2008)
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