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Floortje Zwigtman: Ich, Adrian Mayfield

Floortje Zwigtman: Ich, Adrian Mayfield

Dt. v. Rolf Erdorf. D 2008, 511 S., geb.,  17.37
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Gerstenberg
Inhalt
Adrian muss sein Dasein als Schneiderlehrling fristen. Für den 16jährigen ein hartes Los, stand er doch bis vor kurzem in der Kneipe seiner Familie mit Begeisterung hinter dem Zapfhahn. Doch der Vater hat alles versoffen, die Familie hat alles verloren, und so war Adrians Mutter froh, ihren Sohn wenigsten irgendwo untergebracht zu haben. Doch Adrian liebt Parties, geht gern mit Freunden aus, alles, was Geld kostet, übt eine magische Anziehung auf ihn aus. Geld öffnet Türen und Geld bedeutet ein sorgloses Leben, in dem man sich alles kaufen kann. Außerdem wird Adrian klar, dass er auf Jungs und Männer steht. Zwar mag er dazu noch nicht offen stehen, aber er sehnt sich nach nichts mehr, als mit einem Mann zu schlafen. Als einer der Kunden seines Dienstgebers, Augustus Trops, ein Maler, ihn im Umkleideraum anfängt zu begrapschen und ihm danach auch noch vorschlägt, für ihn Modell zu sitzen, lehnt Adrian noch entrüstet ab. Doch schon bei der erstbes­ten Gelegenheit, kündigt er und nimmt Trops‘ Angebot an – und verdient nicht nur besser als vorher, sondern hat auf einmal Zugang zu Kreisen, von denen er früher nur träumen konnte. Im London der 90er Jahre des 19. Jhs. – denn in dieser Zeit spielt der Roman – gibt Oscar Wilde mit seiner Entourage den Ton an – und Vincent Farley, der Maler, für den er mittlerweile häufig Modell sitzt, gehört zu Wildes engerem Freundeskreis. Wie auf alle übt Wildes Geliebter, Bosie, auch auf Adrian mit seiner fast überirdischen Schönheit eine unwiderstehliche Anziehung aus, und als er mit ihm im Bett landet, scheint der arme Junge seinen Prinzen gefunden zu haben. Doch alles kommt natürlich ganz anders, zumal Adrian einen Hang zur Kleinkriminalität hat, und zur Aufbesserung seiner Einkünfte außerdem ab und an als Stricher arbeitet. Aus den kleinen Abenteuern können auf einmal gefährliche Situationen werden, zumal dann, wenn die Polizei hinter einem her ist. So verstrickt sich Adrian in immer neue Probleme, und die späte Einsicht, dass er eigentlich bis über beide Ohren in den Maler Vincent Farley verliebt ist, macht es ihm auch nicht einfacher. – Was klingt wie ein schwuler Charles Dickens (zum Altmeister der Geschichten über Jungs aus zweifelhaften Verhältnissen gibt es tatsächlich einige Nähen, nicht nur im Blick auf die Zeit, in der der Roman spielt), ist vor allem viel mehr als ein historischer Roman. Denn Adrians Abenteuer, die Parties im Umfeld von Oscar Wilde, Adrians Sehnsüchte und Ängste werden allesamt durch einen gekonnten Kunstgriff in die Gegenwart geholt: Das ganze Buch ist in einer flotten und authentischen Gegenwartssprache geschrieben, die jedes Geschehen mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit beschreibt, als geschähen sie hier und jetzt. Hierbei von einem echten Kunstgriff zu sprechen, ist in zweifacher Hinsicht berechtigt: Mir ist erstens kein einziger Anachronismus aufgefallen, obwohl ich passagenweise regelrecht versucht habe, etwas zu finden, was nicht in die Zeit passt, weil ich einfach nicht glauben wollte, dass man so wie den »Adrian Mayfield« einen guten historischen Roman schreiben kann. Und zweitens vermisst man nichts aus der Gegenwart, auch wenn die Sprache eher unsere Zeit nahelegt als eine über 100 Jahre zurück liegende. Das Buch macht also über seine gut 500 Seiten richtig Spaß zu lesen, es führt in eine gegenwärtige Vergangenheit, in ein London, das die eigene Stadt zu sein scheint, es ist ein Vergnügen, das niemals schal wird, im Gegenteil, vieles entfaltet nach dem Lesen ein Eigenleben in der Erinnerung. Und nicht nur wird jeder Leser in Gedanken diese Geschichte fortführen – die Fortsetzung von Adrians Abenteuern ist in Vorbereitung. Und so ist der »Adrian Mayfield« wohl nicht so sehr ein schwuler Charles Dickens, wie ein (offen) schwuler Harry Potter. (Veit empfiehlt, Herbst Katalog 2008)
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