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William J. Mann: Wo die Jungs sind

William J. Mann: Wo die Jungs sind

Dt.v. Gerold Hens. D 2006, 477 S., Broschur,  20.51
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Bruno Gmünder
Inhalt
Die temporeiche Fortsetzung zu »Von Männern und Jungs« beginnt in der Milleniumssilvesternacht 1999/2000 in New York City. Die Hauptpersonen sind dieselben wie im Vorgängerroman: Jeff ist der aufgedrehte Partyboy, der keine Veranstaltung auslassen kann, wenn‘s darum geht, seinen eindrucksvollen Körper an den Leibern all der anderen Burschen zu reiben, die wie er selbst mit auftrainierten Brustmuskeln und zum Platzen gespannten Bizeps-Muskeln ausgestattet sind. Da nicht immer ganz klar ist, ob er mit seinem (Ex-)Freund Lloyd gerade was laufen hat oder nicht, kann er sich an die geilen Adonisse auf der Tanzfläche ranwerfen, wie es ihm gerade gefällt. Und er tut es. Dabei versucht Jeff aber - wie auch die anderen Freunde jeder auf seine Art - über den Verlust von David Javitz hinwegzukommen (dem väterlichen Freund, der bis zu seinem Tod an den Folgen von Aids im Jahr davor so etwas Ähnliches wie das Herz und die Seele des Freundeskreises war, die Freunde zusammengehalten hat). Lloyd sucht den Verlust zu verarbeiten, indem er ein eher beschauliches und förmlich zelibatäres Leben in Provincetown führt. Jeff sucht das Vergessen auf der Tanzfläche und in den Armen geiler Kerle. Seinerseits hat Jeff jemanden unter seine Fittiche genommen: Henry, der vor gar nicht langer Zeit ein kaum beachteter Schwächling war und nun - wie die sprichwörtliche Raupe sich als Schmetterling entpuppt - innerhalb kurzer Zeit zum aufgepumpten Bodybuilder mutiert ist, der alle Blicke auf sich zieht und vor kurzem damit angefangen hat, für sexuelle Dienste Geld zu nehmen. Für Henry gibt es aber von Anfang an nur ein wirkliches Objekt der Begierde: Jeff. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Henry seinen »besten Freund« abgöttisch bewundert (immerhin hat er Jeffs Einfluss viel zu verdanken). Aber Jeff will irgendwie nicht bei ihm anbeißen, obwohl Henry alles Erdenkliche tut, damit es endlich so weit kommt. Allmählich versucht Henry seine Gefühle für Jeff unter den Teppich zu kehren. Was ihm nur schwer gelingt. Dabei stellt er fest, dass es sehr wohl auch ein Leben ohne Jeff geben kann, bzw. dass er ein eigenes Leben ohne Jeff haben kann. Dabei sind seine negativen Erfahrungen im Callboygewerbe aber eher nicht hilfreich. Lloyd muss dafür die Erfahrung machen, dass auch im idyllischen Provincetown nicht alles heiter Wonne Sonnenschein ist. Lloyds beste Freundin Eva, mit der er gemeinsam eine Pension betreibt, legt plötzlich eigenartige Verhaltensweisen an den Tag. Bis zu einem gewissen Grad kann er ihr Verhalten verstehen: ist sie doch gerade Witwe geworden und schon dadurch emotional extrem belastet. Aber irgendwie geht sie allmählich zu weit. Und nun - sehr zum Missfallen von Henry - dringt der geheimnisvolle Anthony in das gemeinsame Leben der Freunde ein: er sieht sehr gut aus und ist Jeff auf einer Circuit Party über den Weg gelaufen. Jeff - sonst immer der Kühle, Unnahbare - bietet Anthony an, sich ihm und den anderen anzuschließen. Dabei ist Anthonys Vergangenheit ein weißes Blatt Papier. Niemand weiß etwas darüber. Und Anthony lässt sich nicht festnageln und sagt nichts, was irgendeinen Aufschluss geben könnte. Anfangs kann Anthony mit seinem charmanten Wesen und seiner blauäugigen Offenheit alle blenden. Doch allmählich werden Zweifel wach: wie es denn sein kann, dass jemand, mit dem man eng befreundet ist, einem nach wie vor so fremd bleibt. Woher kommt all das Geld, mit dem Anthony seine offensichtliche Unabhängigkeit in so jungen Jahren finanzieren kann? Jeff hält nichts von diesem dauerhaft unbefriedigenden Zustand, nichts über seinen Freund Anthony zu wissen, und fängt an, in dessen Vergangenheit herumzuwühlen. Dabei stößt er auf die Dinge, die er lieber im Frieden gelassen hätte. Über allem steht die Frage, ob Jeff und Lloyd nicht doch wieder zueinander finden können. Denn bei allen Kontroversen und der unübersehbaren Tatsache, dass sie sich im Laufe ihrer Beziehung entfremdet haben, scheinen die Differenzen nicht ganz unüberbrückbar zu sein. Und die Gemeinsamkeiten, die sich durch ihre Beziehung ergeben haben, verbinden nach wie vor. Würden da nicht ständig neue junge Männer einer Wiedervereinigung im Weg stehen. Und bald sind Jeff und Lloyd von vielen kleineren und größeren Geheimnissen umgeben, die die Möglichkeit einer Beziehung in weite Ferne rücken lassen. In Manns Roman kommen abwechselnd alle Protagonisten zu Wort, und die Handlung wird aus der jeweils wechselnden Perspektive entwickelt. Wer dem folgen kann, hat hier auf einem ansprechenden Niveau eine Art Roman im »Queer as Folk«-Stil, der temporeich, fesselnd und ansprechend daherkommt und gleichzeitig aktuelle Probleme in der Schwulenszene wie Drogen, Barebacking oder Aids nicht ausklammert. (Jürgen empfiehlt, Winter Katalog 2006)
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