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Colm Tóibín: Die Geschichte der Nacht

Colm Tóibín: Die Geschichte der Nacht

D 2004, 390 S., Pb,  12.85
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Inhalt
Übersteigerte Hoffnungen und enttäuschte Erwartungen sind das Thema dieses großen schwulen Romans. Richard ist schwul, aber er wächst zur Zeit der Militäridktatur in Argentinien auf. Die staatliche Repression und der Terror der Generäle macht die Menschen ängstlich, man versucht sich einzurichten und irgendwie zu überleben. Wegschauen, z.B., wenn nachts die LKW der staatlichen Häscher vorfahren und Menschen zum Verschwinden abholen, ist eine wichtige Strategie, durch die man zwar körperlich zu überleben hoffen darf, jedoch den hohen Preis des Verlusts von Aufrichtigkeit – auch gegenüber sich selbst – zu zahlen hat. So auch Richard, der weder gegenüber seiner Mutter, bei der er auch als Erwachsener noch lebt, noch gegenüber anderen seine wahre Identität preisgibt. Seine Distanziertheit, die in Wahrheit seine Frustration an sich selbst ist, erscheint als gepflegte, noble Haltung. Sex mit Männern hat Richard zwar, aber nur anonym, niemals würde er sich auf einen anderen Mann einlassen. Erst als seine Mutter tot ist und nach dem Falklandkrieg die Militärs entmachtet sind, traut er sich zu mehr. Wie so viele hofft er auf einen neuen Aufbruch, darauf, dass mit einem Schlage jetzt alles ganz anders würde. Dass dies jedoch nicht nur eine Veränderung der Verhältnisse, sondern vor allem auch ein Umdenken bei ihm selbst bräuchte, versucht er lange zu verdrängen. Bald schon muss er bemerken, dass seine Freundschaft ausgenutzt wird: das freundliche Diplomatenehepaar im Haus seines Schülers, in den Richard verschossen ist, arbeitet für einen amerikanischen Geheimdienst. Doch Richard verschließt sich der Wahrheit und glaubt weiterhin daran, dass mit der neuen Freiheit alles gut würde. Und so beginnt eine zweifelhafte Karriere, bis er schließlich Pablo kennenlernt und Richard auf eine romantische Beziehung hofft. Doch diese Hoffnungen werden ebenso durch die harte Realität gebrochen, wie die Hoffnung auf gesellschaftliche Freiheit, nur weil die Unterdrücker verschwanden. Colm Tóibín versteht es gekonnt, in der »Geschichte der Nacht« die Themen Freiheit und Emanzipation zugleich auf individueller Ebene (Richards Coming-out) und gesellschaftlicher Ebene (Argentiniens Befreihung von den Militärs) zu beleuchten und miteinander zu verbinden. Die Pointe ist in beiden Fällen, dass es nicht darauf ankommt, auf die Befreihung zu warten (und bis diese eintrifft durchzutauchen), sondern die jeweils mögliche Freiheit realistisch einzuschätzen. Ansonsten verkehrt sich wie für Richard die vermeintliche Befreihung des mit überspannten Erwartungen befrachteten Coming-outs allzu rasch ins Gegenteil und die Wirklichkeit wird wieder als Gefängnis wahrgenommen. (Veit empfiehlt, Sommer Katalog 2004)
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