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Mario Kiesenhofer: AURA

Mario Kiesenhofer: AURA

8. Okt - 2. Nov 2025. Ö 2025, 24 S., Farbe, Broschur, € 5.00
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QWien
Inhalt
Begleitheft zu Mario Kiesenhofers Ausstellung AURA (8.10. - 2.11.2025, QWien). Mit einem Text zur Ausstellung von Walter Seidl sowie Texten von Andreas Brunner zu den von Kiesenhofer fotografierten Qwien Archivalien.

Mario Kiesenhofers fotografische Serie von Archivalien des Qwien fokussiert die Geschichte queerer und insbesondere schwuler Lebensweisen, für die er die Objekte in ein auratisiertes Erscheinungsbild rückt. Der Künstler verwendet dabei In-Camera-Effekte, die direkt beim Fotografieren durch verschiedene Filter vor dem Objektiv entstehen. Die aktivierende Dynamik, die den Bildern innewohnt, schreibt sich durch die Kombination aus Blitzlicht und eine leichte Bewegung der Kamera beim Auslösen in den Sensor ein.

Kiesenhofer bedient sich einer Doppelstrategie. Zunächst handelt es sich um die Auswahl der zu fotografierenden Objekte, die beim Künstler eine innere Resonanz auslösen und dadurch ihre auratische Wirkung zeigen. Mit Hilfe des fotografischen Dispositivs zieht Kiesenhofer eine zweite Ebene ein, um die Objekte auch für BetrachterInnen in ein auratisiertes Bildfeld zu rücken. Präsentiert als farblich und konzeptionell durchkomponierte Serie beziehen sich die einzelnen Fotografien auf Momente einer Geschichte, die von Schmerz, Stigma und Trauma geprägt ist. Die fotografische Bewegung führt zu einem Verwischen des Dargestellten und wirft die Frage auf, wie weit Erinnerungsmomente an Stufen der Befreiung hinsichtlich einer Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Praktiken, der AIDS-Krise sowie Entwicklung der HIV-Bekämpfung und Prävention ineinander übergreifen.

Kiesenhofers fotografische Geschichte beginnt mit der Bestätigung der Verurteilung von Franz X. Gugg im Jahr 1969 wegen »Verbrechens der Unzucht wider die Natur mit Personen desselben Geschlechts gem. §129 Ib StG 1852«. Ein Antrag auf Wiederverleihung des Doktortitels rekurriert ebenso auf jene gesellschaftlichen Mechanismen, die einst zu einer Entmächtigung des Subjekts führten und spezifische Nachwehen in einer post-nazistischen Ära aufzeigen. Umso wichtiger galt das Entstehen von Safe Spaces, die zum Community Building beitragen, etwa der von 1989 bis 2021 existierende Club Wiener Freiheit, von dem ein Kästchen für Wertgegenstände sowie ein Fassadenschild zu sehen sind. Teil dieser archivalen Geschichte ist auch ein T-Shirt mit dem Slogan »SILENCE=DEATH« der 1986 vom Silence=Death-Project in New York entworfen und anschließend von der Aktivistengruppe ACT UP übernommen wurde, um Bewusstsein für die AIDS-Pandemie zu schaffen und sich gegen eine gesellschaftliche Stigmatisierung zu engagieren.

Parallel zur Entwicklung des politischen Aktivismus und Clublebens steht der medizinische Fortschritt innerhalb der HIV-Forschung. Hierfür gilt unter anderem das Abbild jener Tablette, die HIV von einer tödlichen in eine chronisch behandelbare Krankheit verwandelte - bis hin zu PrEP als ultimativ präventiver Möglichkeit.

Mit diesen Gegenständen einer Geschichte bezieht sich Kiesenhofer auf Walter Benjamins Definition von Aura, die mit den Begriffen „Unnahbarkeit“, „Echtheit“ und „Einmaligkeit“ verbunden ist. Diese Begriffe gelten definitiv für die vom Künstler ausgewählten Objekte, deren fotografische Abbildungen bei all jenen, die sich als Teil einer queeren Geschichte verstehen, zahlreiche Erinnerungen wachrufen.

Text: Walter Seidl

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