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Jeanette Winterson: Frankissstein

Jeanette Winterson: Frankissstein

Dt. v. Martina Tichy u.a. CH 2019, 320 S., geb.,  24.70
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Kein und Aber
Inhalt
Jeanette Winterson liebt die Überraschung. Mit ihrem neuen Roman »Frankisstein« dürfte der lesbischen Autorin die Überraschung bei ihrer Leserinnenschaft wieder bestens gelingen. In »Die steinernen Götter« und »Powerbook« verließ sie das Hier und Jetzt und begab sich in eine mehr oder weniger ferne Zukunft - diesmal nimmt sie sich die bahnbrechende Autorin des Gruselgenres und ihr Meisterwerk vor: Mary Shelley und »Frankenstein«. Die Anspielungen sind zahllos und wirken im ersten Moment etwas gar gewollt. Aber Wintersons Adaption der Story um Frankensteins Monster ist in gewisser Weise ihres Horrors beraubt und als besondere Liebesgeschichte in der Jetztzeit transportiert, die noch dazu auf gelungene Weise Transgender-sein thematisiert. Auftakt zu »Frankisstein« ist tatsächlich die Entstehungsgeschichte zu Mary Shelleys Monstergeschichte, die Anfang des 19. Jahrhunderts in der Schweiz entstand, als die Autorin sich mit ihrem Mann und dem bisexuellen Lord Byron dort aufhielt und ihr die Idee kam zu Victor Frankenstein sowie zu seinem dem Tod entrissenen und aus Leichenteilen zusammengesetzten Geschöpf. Im Grunde haben wir es mit einer künstlichen Kreatur zu tun, deren Zusammensetzung von heutigen Robotern abweichen mag, aber die zukünftigen Androiden vermutlich vorweggenommen hat. Hauptfigur in Wintersons neuem Roman ist der junge Arzt Ry Shelley - ein Transmann, der in Memphis, Tennessee an einer Konferenz während einer Robo-Tech-Expo teilnimmt, um einem Vortrag über künstliche Intelligenzen zuzuhören. Dort trifft Ry auf den undurchsichtigen Wissenschaftler Viktor Stein, einen internationalen Experten auf dem Gebiet künstlicher Intelligenzen Mitte fünfzig. Seit einer Weile arbeitet Ry bereits für den Professor und liefert Körperteile an sein Labor. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich etwas. Während der Expo kommen sich die beiden näher und fangen eine Liebesgeschichte miteinander an. Das geht nicht ohne kuriose Enthüllungen ab: Denn die Testosteronspritzen haben Rys Klitoris auf sechs Zentimeter zu einer Art kleinem Penis anschwellen lassen, worauf er sehr stolz ist. Beim Sex zwischen Ry und Victor betont letzterer ausdrücklich, nicht schwul zu sein - gleichzeitig ist er vor allem fasziniert von Rys Transkörper, der eine beachtliche Transformation durchlaufen hat. Zur gleichen Zeit ist die ambitionierte Journalistin Polly einer heißen Story auf der Spur: Was sind die Motive von Professor Stein hinter seiner Arbeit, seinen Forschungen? Polly hat von Professor Steins geheimem Labor erfahren, das sich in Manchester befinden und etwas von einem Atombunker an sich haben soll. Es gibt gute Gründe für die Vermutung, dass er darin etwas verbirgt. Viel spricht dafür, dass dort geheime - wenn nicht sogar illegale - Experimente stattfinden. Es gibt da ja auch noch Professor Steins dubiosen walisischen Geschäftspartner Ron Lord, der mit Sexrobotern handelt. Die lesbische Autorin hat in ihrem neuen Buch interessante Fragen der Moderne aufgeworfen, die im Spektrum von Künstlicher Intelligenz und Robotik über Biotechnologie bis hin zu Transgender angesiedelt sind. Winterson tut dies mit einem Augenzwinkern. Dafür spricht ja auch der Titel des Buches »Frankisstein«. Ihr gelingt es die grundsätzliche Horrorstory in eine bemerkenswerte Liebesgeschichte zu verwandeln. Dem Transgender in der Geschichte kann das Monströse, das ihm früher zugewiesen worden wäre, abschütteln. An dessen Statt haben wir es mit liebendem Erstaunen zu tun.
Jürgen empfiehlt (Winter 2019/20)
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