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Leonardo Padura: Die Durchlässigkeit der Zeit

Leonardo Padura: Die Durchlässigkeit der Zeit

Dt. v. Hans-Joachim Hartstein. CH 2020, 442 S., Broschur,  17.42
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Inhalt
Obwohl das Buch von Leonardo Padura in einer anderen Zeit spielt und sogar in einem anderen Genre angesiedelt ist, habe ich mir über weite Strecken des Romans nicht den Vergleich mit Reinaldo Arenas und seinem »Bevor es Nacht wird« verkneifen können. Was beide Bücher verbindet, ist der realistische Blick auf dieses vom Kommunismus gebeutelte, mit einem aparten Charme des Verfalls ausgestattete, auch menschlich abenteuerliche Havanna. Während Arenas´ Roman zur Zeit von Fidel Castro spielt, in der Schwule verfolgt und aus dem Land vertrieben worden sind, ist Paduras Krimi in der Jetztzeit angesiedelt, in der das Regime die Zügel etwas gelockert hat.
Mario Conde - die Hauptfigur in Paduras Roman, ein Detektiv in mittleren Jahren und im Privatleben ein heterosexueller Macho, wie er im Buche steht - wird eines Tages von einem alten Schulfreund ankontaktiert. Beide hatten sich über die Jahre aus den Augen verloren. Während Conde sich als Privatdetektiv einen Namen gemacht hat, hat der schwule Bobby für einen Kubaner echt Karriere gemacht. Es wird so nicht gesagt, aber es liegt irgendwie auf der Hand, dass er über schwule Kontakte die rare Möglichkeit zu Auslandsreisen bekommen hat und durch die damit verbundenen Kunstdeals inzwischen ziemlich reich geworden ist.
In der Schulzeit - noch unter Fidel Castro - war Homosexualität etwas Anstößiges und die nicht-schwulen Freunde um Mario sind Bobby mit unterschwelliger Verachtung begegnet. Mario Conde erinnert sich gut. Inzwischen ist es ihm peinlich, insbesondere nachdem sich der »alte Freund« mit seinem Anliegen an ihn gewendet hat und es im Leben wirklich geschafft hat - Reichtum eingeschlossen.
Bobby hat einen halbseidenen jüngeren Boyfriend gehabt - ein armer Kerl aus dem unterentwickelten Osten Kubas. Das Verhältnis der beiden ist dem von Freier und Strichjungen nicht unähnlich gewesen. Ohne sich groß etwas dabei zu denken, hat Bobby den jungen Mann bei sich zu Hause wohnen lassen, während er sich selbst auf Geschäftsreise ins Ausland begeben hat. Bei seiner Rückkehr hat Bobby sehr zu seiner persönlichen Überraschung die eigene Wohnung ausgeräumt vorgefunden. Von seinem Liebhaber und vielen Wertsachen keine Spur. Am härtesten hat Bobby die Tatsache getroffen, dass der Bursche ausgerechnet das Allerheiligste in der Wohnung - eine Schwarze Madonna - hat mitgehen lassen. Alles andere hätte er verschmerzen können, aber nicht die Schwarze Madonna, deren Reise von den Spanien nach Kuba eng mit Bobbys Familiengeschichte verknüpft und unersetzlich ist. In dieser verzweifelten Situation bittet Bobby den Privatdetektiv um Hilfe. Einen lukrativen Auftrag kann Mario gut gebrauchen und so begibt er sich auf die Suche nach der gestohlenen Statue. Dabei kommt der Privatdetektiv mit der kriminellen Unterwelt Havannas in Berührung, was ihn nicht sonderlich schreckt. Gerissene Kunsthändler scheinen in dieser Angelegenheit ihre Finger im Spiel zu haben. Es wird nicht einfach, den Diebstahl aufzuklären.
Padura deckt in diesem Roman die Diskrepanz auf, die sich zwischen den idealen Ansprüchen des kommunistischen Regimes und den tatsächlich von Mangel und Improvisation geprägten Lebensverhältnissen der einfachen Kubaner aufgetan hat und entlarvt den »Machismo Leninismo« der Kubaner, durch den Homosexuellen - wenn überhaupt - nur eine prekäre Existenz am Rand zugestanden wird.

(Jürgen empfiehlt, Herbst 2019)
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