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Christina Dalcher: Vox

Christina Dalcher: Vox

Dt. v. Susanne Aeckerle u.a. D 2018, 400 S., geb.,  20.56
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S. Fischer
Inhalt
Was wäre, wenn es christlichen Fundamentalisten in den USA gelänge alle emanzipatorischen Errungenschaften für Frauen im 20. Jahrhundert zurückzudrehen? Das ist die Grundannahme in Christina Dalchers beklemmender Dystopie »Vox«. Christlichen Fundamentalisten zusammen mit Rechtsradikalen ist es gelungen, die US-Gesellschaft mit ihrer Ideologie zu unterwandern, die Fundamente der Demokratie zu untergraben, die völlige Entrechtung der Frauen voranzutreiben und schließlich sogar landesweit durchzusetzen. Es herrscht eine Art neues Patriarchat - eine sexistische Segregation, die Frauen geringere Rechte einräumt als Männern. Auf dem Papier sind die USA weiterhin ein Demokratie. Es wird gewählt. Es gibt einen Senat, einen Präsidenten - aber nichts geschieht, ohne dass die Führer der einstmals zersplitterten, nun für den retrograden Umbruch zusammenarbeitenden religiösen Rechten es abgesegnet haben. Frauen schaffen es nicht mehr in politische Positionen. Sie werden »nicht wiedergewählt«. Es wird ihnen nichts mehr zugetraut. Sie werden nicht mehr für voll genommen. Es ist eine Zeit der frustrierten weißen Männer, die schon immer im Feminismus ein Unglück erkannt, sich in ihrer Männlichkeit angegriffen gefühlt und die nun die Chance ergriffen haben, mit einem allmächtigen Rollback nicht nur diesen, sondern gleich auch noch alle Frauenrechte zu beseitigen. Am offensichtlichsten wird dies durch die »Wörterzähler«, die alle Frauen am Handgelenk tragen müssen: Frauen dürfen am Tag maximal 100 Wörter benutzen - wird das Limit überschritten, wird vom Gerät automatisch ein sehr schmerzhafter Elektroschock ausgelöst. Jean - die Hauptfigur in Dalchers Roman - ist verheiratet, hat vier Kinder - drei Jungs, eine Tochter. Vor den Umwälzungen hat sie als Wissenschaftlerin gearbeitet. Sie hat mit feministischen Ideen sympathisiert. Eine ihrer besten Freundinnen - Jackie - ist eine heftig angefeindete toughe Feministin gewesen. Sie hat es kommen sehen. Niemand wollte ihre Warnungen ernst nehmen. Und nun ist er da: der unglaubliche Umbruch, der die totale Entrechtung der Frauen in den USA vorsieht. Die Jungs sind die neuen Herren der Familie - Frauen müssen ihnen gehorchen, sich unterordnen, nur noch Haushalt und Familie im Sinn haben - möglichst klaglos funktionieren, Kinder gebären. Es gibt keine Bildung mehr für Mädchen, letztendlich ist ihre totale Verblödung beabsichtigt – damit sie sich noch leichter beherrschen lassen. Die Jungs - Profiteure der Entrechtung der Frauen - arrangieren sich schnell mit der neuen Situation, die sie begünstigt, ihnen bessere Chancen einräumt. Jeans Ehemann ist die neue Situation zwar peinlich. Doch er ist ein Schlappschwanz und wagt nicht für die Frauen - nicht einmal die seiner eigenen Familie - Partei zu ergreifen, geschweige denn Widerstand gegen die Theokratisierung des Landes zu leisten. Er leidet mit, wenn seine und Jeans Tochter im Traum spricht, das Limit überschreitet und einen Stromschlag verpasst bekommt. Als Jean am Anfang der neuen Ordnung einmal lautstark protestiert, kommt sie ins Gefängnis. Wie alle Frauen soll auch sie gefügig gemacht werden. Zudem unterliegt die neue Ordnung im öffentlichen Raum totaler Kontrolle: Kameras überall, die überwachen sollen, ob das Wörterlimit nicht durch nonverbale Kommunikation unterlaufen wird. Zunehmend wird Jean klar, dass sie ihr Schicksal, das ihrer Tochter und aller ihrer Geschlechtsgenossinnen selbst in die Hand nehmen muss, wenn sie nicht will, dass die neue Ordnung auf ewig einzementiert wird. Männer - auch die der eigenen Familie - werden ihr nicht helfen. Eine spannende Antiutopie, die die Tendenz der religiösen Rechten, immer mehr an gesellschaftlichem Einfluss zu erringen, bis an ihre brutal misogyne Totalität zu Ende denkt.
Jürgen empfiehlt (Herbst 2018)
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