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Michael Schindhelm: Walter Spies - Ein exotisches Leben

Michael Schindhelm: Walter Spies - Ein exotisches Leben

D 2018, 248 S. mit Abb., geb.,  20.46
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Inhalt
2015 erschien Nigel Barleys biografischer Roman über das schwule deutsche Multitalent Walter Spies unter dem Titel »Bali - das letzte Paradies« auf Deutsch. Als Ethnologen interessierten Barley vor allem Spies´ Balinesische Jahre. Drei Jahre später geht nun Michael Schindhelm das Leben von Walter Spies dagegen panoramahaft an und widmet lange Strecken des Romans den formativen Jahren des in Russland aufgewachsenen Deutschen, der seine künstlerische Erfüllung schließlich in Bali fand. Beide Romanbiografien ergänzen sich perfekt. Sehr wesentlich für die Ausprägung dieses kreativen Mannes und seiner Talente waren Kindheit und Jugend erst in Berlin, Sachsen, dann in Moskau. Er springt agil zwischen Kulturen und baut über Bekanntschaften und Freundschaften vielfältige Kontakte zu verschiedensten, auch prominenten Künstlern auf, die ihn zwar beeinflussen, nicht aber für ihre Zwecke einfangen können. Er ist ein Freigeist, bindet sich nur ungern, interessiert sich für alles und jeden. Sein »Seelenacker« wird dadurch »durchpflügt und durchfurcht von Futurismus, Kubismus und Expressionismus«. Früh schon zeigt sich sein immenses Talent (als Musiker, Pianist, Komponist, Maler, polyglotter Linguist, im Umgang mit der Kamera) - Einflüsse saugt er wie ein Schwamm auf und entwickelt daraus etwas Neues - ihn langweilen die diversen -ismen. Auch drängt es ihn von früh an hinaus in die Welt. Nach einigen schwulen Affären noch im 1. Weltkrieg und auch bei seiner Rückkehr nach Deutschland freundet er sich mit dem Regisseur Friedrich Murnau an. Die Liebesgeschichte der beiden hält nicht lange. Denn irgendwie hält es Walter Spies nicht länger in Deutschland. Er fühlt sich angezogen durch die besondere Exotik Hinterindiens. Und so wandert er nach Niederländisch-Indien aus. Wie kaum ein anderer Europäer vor oder nach ihm taucht Spies in die unverfälschte Balinesische Kultur ein. Dort - inmitten einer für ihn ebenso faszinierenden wie inspirierenden Kultur - verwirklicht er seinen künstlerischen Traum. Er malt, bannt traditionelle Tänze mit Einheimischen auf Film, er plant für Freunde Häuser im Balinesischen Stil, er parliert mit der Übermutter der Ethnografie Margaret Mead über Balinesische Kultur. Immer wieder hat er Affären mit jungen Balinesen, die für ihn immer gleichzeitig auch Models, Ko-Künstler, Handelspartner, Dienstboten und Freunde sind. Lange Zeit ist Spies ein Ansprechpartner für so ziemlich jeden, weil er sich so gut wie in jedem erdenklichen Fachgebiet auszukennen scheint. Vor allem unter den Balinesen genießt er den Ruf, einer der ihren zu sein. Als sich die Politik der niederländischen Kolonialbehörden gegenüber »unmoralischen« Ausländern, die die Einheimischen »verderben« wollen, verschärft, werden ihm die homosexuellen Affären mit jungen Männern fast zum Verhängnis. Er kommt noch einmal frei, weil ihm homosexuelle Akte nicht nachgewiesen werden können. Mit Ausbruch des 2. Weltkriegs ist Spies jedoch - ohne jegliche Sympathien für die Naziherrschaft in Deutschland - ein »feindlicher Ausländer« im freien Rest der Niederlande - nämlich Niederländisch- Indien. Er wird wie alle Deutschen interniert. Als er per Schiff auf eine andere Insel deportiert werden soll, wird das Schiff von japanischen Invasionsgeschwadern versenkt. Spies ertrinkt mit allen anderen an Bord. Schindhelms Romanbiografie ist in hohem Maße informativ. Gleichzeitig ist sie so geschrieben, dass man sie nur ungern aus der Hand legen will.
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