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Dale Peck: Schwarz und Weiß

Dale Peck: Schwarz und Weiß

Dt. v. Klaus Pemsel. D 2016, 576 S., geb.,  25.69
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Albino
Inhalt
Colin und Justin fliehen vor der Großstadt New York, in einer Kleinstadt wollen sie Ruhe finden und ihre Beziehung wieder in Schwung bringen. Doch in Galatea finden sie einen geteilten Ort vor: Schwarz und Weiß stehen sich in einer aufgeladenen Abgrenzung einander gegenüber. Zunächst scheint der schwarze Stricher Divine noch eine willkommene Bereicherung ihres Beziehungs- und Sexlebens zu sein, doch bald schon wird immer deutlicher, dass der Ort ein altes Geheimnis hütet und dass es um mehr geht als nur den brutalen Unterdrücker-Rassismus der Weißen. Denn auch der schwarze Ortsteil kennt rassistischen Dünkel - gebeutelt von den niederen Trieben Aberglaube und Vergeltung wurde einst ein schwarzer Albino gelyncht und ein junges weißes Mädchen soll für die Schandtaten ihrer Eltern büßen. Immer mehr verschwimmt vor allem für den Schriftsteller Justin Wirklichkeit, eigene literarische Fiktion, wahnhafte Geschichten des Ortes und vor allem: seine eigene Rolle bei alledem. — »Schwarz und Weiß« ist mit seiner ausgefeilten Schilderung des Rassenkonfliktes nicht nur top-aktuell und in seiner Differenziertheit erhellender als viele Reportagen, es ist vor allem einer der ganz großen schwulen Romane der jüngeren Geschichte. Denn auch wenn die wirklichkeitsauflösende Geschichte von kleinstädtischem Rassenhass einen eigenständigen Strang darstellt, so geht es doch vor allem um die schwule Beziehungsgeschichte: Colins und Justins Beziehung ist an die Großstadt gebunden, doch sie suchen die Idylle fern davon. Dass sich ihre Beziehung hier nicht nur nicht kitten lässt, sondern dass die beiden sich fast schon als Personen aufzulösen scheinen, dass schwules Leben nicht nur an Homophobie sondern an allgemeiner Enge scheitern kann, dafür ist die Geschichte aus Galatea die fast mythisch wirkende Folie. Dabei ist »Schwarz und Weiß« vor allem fesselnd geschrieben. Der Stil ist in wechselnden Perspektiven gehalten, teilweise auktorial, teilweise in Ich-Perspektive. Dabei wechselt - je nach Perspektive - auch der Sprachstil, mal literarisch in den auktorialen Passagen, mal fast in Trance aus der Perspektive Justins, mal in derber Gossensprache, wenn der Stricher Divine erzählt. Auch diese Wechsel tragen letztlich dazu bei, dass auch dem Leser und der Leserin die Wirklichkeit entgleitet: Erzählt dies alles Justin? Ist das alles sein neuer Roman? Oder ist das Buch die Ansammlung von Dokumenten über Justins Wahn und Verbrechen? Keine dieser Deutungen lässt sich endgültig belegen oder aber ganz von der Hand weisen. Ein großer Roman für einen fast rauschhaften Lesegenuss.
(Veit empfiehlt - Herbst 2016)

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