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Lovis Cassaris: Ein letztes Mal wir

Lovis Cassaris: Ein letztes Mal wir

D 2016, 192 S., Broschur,  15.32
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Querverlag
Inhalt
Lovis Cassaris Debütroman »Ein letztes Mal wir« handelt auf eine teils realistische, teils humorvolle Art das universelle Thema des Verlustes eines Beziehungspartners ab. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der zurückbleibenden Frau - Alexandra. Nach dem Tod ihrer Frau Meike begibt sie sich nach Schweden auf eine fünftägige extreme Wanderung durch Lappland. Das war der große Traum ihrer Frau gewesen, den sie sich selbst aber nicht mehr erfüllen konnte, weil ihre Krebserkrankung schon zu weit fortgeschritten war und ihre körperliche Verfassung eine sportliche Anstrengung dieser Dimension nicht mehr zugelassen hat. Alex hat sich eine Auszeit von ihrem Job als Tätowiererin genommen und fährt mit gemischten Gefühlen in den hohen Norden. Denn Meikes Traum ist nicht ihr eigener gewesen. Sie kommt eigentlich aus Berlin, empfindet sich mehr als Städterin, hat wegen der Beziehung zu Meike aber ihren Lebensmittelpunkt von Berlin nach Zürich verlegt gehabt, um mit ihrer Freundin - späteren Ehefrau - zusammen zu sein. Dabei konnte Alex das Faible der Schweizer für Berge und Wandern nie wirklich verstehen. Auch ist sie genervt von den Mitwanderern, die sie immer wieder in Gespräche verstricken und zu gemeinsamen Aktivitäten motivieren wollen. In ihr rumort noch immer der als ungerecht empfundene Verlust der jüngeren Ehefrau, mit der sie eigentlich noch nicht lang zusammen gewesen war und mit der sie noch so viel vorgehabt hat. Der Verlust ist noch lange nicht verarbeitet - und Alex hat sich gerade erst auf Introspektion eingerichtet. Alles Andere empfindet sie als Störung. Ihre Stimmung ist verhärmt und abweisend, fast schon gereizt – sie will in Ruhe gelassen werden. So kommt sie nach Schweden. Während der Trekking-Tour erinnert sich Alex an den seltsamen Beginn ihrer Beziehung zu Meike, die nicht nur um Jahre jünger, sondern auch vom Typus ganz anders war als sie selbst. Es war eine Zufallsbekanntschaft, die die beiden eher auf Kollisionskurs denn auf freundschaftliche Bahnen brachte. Alex entwickelte eine spontane Abneigung gegen Meike. Denn Meike verdächtigte Alex gegenüber Securitypersonal etwas geklaut zu haben.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten kam die Beziehung zwischen den beiden sehr verschiedenen lesbischen Frauen jedoch in Schwung. Alex zog für Meike sogar nach Zürich und ließ ihren Freundeskreis in Berlin zurück. Alex tat sich schwer mit der eigenwilligen Mentalität der Schweizer. Manche Dinge würde sie wohl nie verstehen - aber für ihre Meike war das als Zugeständnis schon okay. Mit den Jahren wuchsen die beiden Frauen zusammen - und schließlich fassten die beiden sogar eine Eheschließung ins Auge. Für Alex ein großes Ding - ihre Familie und die Freundinnen aus Deutschland reisten dafür an. Meike dagegen wollte mit ihrer Familie - vor allem dem Vater - nichts mehr zu tun haben. Doch die Hochzeit wurde zu einem großartigen Start des lesbischen Paares in eine wundervolle gemeinsame Zukunft - so schien es. Die beiden bekamen keine Jahre - denn mit Meikes Gesundheit schien etwas nicht in Ordnung zu sein. Der anfänglichen, gerne verdrängten Beunruhigung folgte schließlich die schreckliche Diagnose und die Gewissheit: Nierenkrebs. Die Beziehung der beiden wurde von da an auf eine harte Bewährungsprobe gestellt: denn durch die körperlichen Auswirkungen der Chemotherapie fühlte sich Meike von Alex nicht mehr begehrt (und irgendwie auch zu geschwächt für Sex) - und Alex konnte sich immer weniger der sich selbst erfüllenden Prophezeiung entziehen: fand sie selbst Meike tatsächlich schon weniger attraktiv wegen der Erkrankung? Oder war der weniger werdende Sex nicht eine selbstverständliche Begleiterscheinung einer in die Jahre gekommenen Beziehung? Je länger die Krebserkrankung auf Meike einwirkte und je mehr die günstigen Prognosen dahinschwanden, umso stärker befasste sie sich mit der Möglichkeit des Sterbens, die Alex eher verdrängte - auch der aktivere Umgang mit dem Sterben - sprich: Suizid - ging ihr immer öfter durch den Kopf - etwas, das Alex jedes Mal fast auf die Palme brachte, wenn sie davon erfuhr. Gespräche der beiden endeten immer öfter im Streit. Doch allmählich stellte sich Alex dem Unabwendbaren, mit dem sich Meike längst abgefunden hatte. Alex begleitete ihre Frau zu einer Sterbeberatung. Und ein Datum für den Suizid wurde bestimmt.

All diese Erinnerungen wälzt Alex während ihrer Trekking-Tour durch Lappland. Eigentlich ist sie unansprechbar und reagiert gereizt auf jede Kontaktaufnahme. Doch dann kommt sie mit Emma, einer anderen Frau aus der Trekking-Gruppe, in Kontakt. Beide verbringen Zeit miteinander auf der Wanderung und entwickeln Interesse füreinander. Emma ist Fotografin (auch beruflich) und bringt Alex bald auf andere Gedanken. Auf Anhieb findet Alex die Schwedin attraktiv. Als die beiden sich ein Zelt teilen, kommen sie sich näher. Emma fühlt sich angezogen von dem Geheimnis, das Alex umgibt - sie redet nur ungern über die schmerzliche Vergangenheit und lässt sich alles aus der Nase ziehen. Doch allmählich öffnet sie sich gegenüber Emma. Und so entpuppt sich die Trekkingreise für Alex als erster Schritt in eine Heilung des Verlustschmerzes, den sie ursprünglich verstockt mit sich herumgetragen hat.

Dieser Roman der Schweizer Autorin kommt ganz unprätentiös daher, entfaltet in seinem Realismus einen ganz eigenen Zauber (unterstützt sicherlich durch die grandiosen Natur- und Landschaftsbeschreibungen Schwedens auf Alex‘ Wanderung). Gegen Ende hin gerät die Tränendrüse etwas unter Druck. Die Szenen, in denen der sukzessive Abschied von Meike beschrieben wird, gehen jeder Leserin bestimmt sehr nahe. Mir ging es auf alle Fälle so. Aber der Roman ist an keiner Stelle kitschig oder melodramatisch - im Gegenteil: der Realismus lässt die Emotionen der Protagonistinnen nachvollziehbar werden. Und doch - der Klappentext des Romans drückt es wundervoll aus - besitzt der Roman auch eine »Prise Humor«, so dass bei aller Tragik er nie weinerlich oder überernst ankommt. Er hat - wie ich finde - sogar etwas Erhebendes an sich: der Mut, sich dem eigenen Tod zu stellen und selbst über dessen Zeitpunkt zu bestimmen, spiegelt eine positive Haltung dem Leben gegenüber wider – insofern ist »Ein letztes Mal wir« ein Buch mit einer aufbauenden Botschaft zum nicht resignativen Umgang mit dem »Schicksals- schlag« Krebs.

Jürgen empfiehlt - Sommer 2016)
Dieser Querverlag-Titel ist auch erhältlich als:
E-Book (epub), € 9.99
Taschenbuch, € 15.32
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