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Benjamin Alire Sáenz: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

Benjamin Alire Sáenz: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

D 2014, 384 S., geb.,  17.47
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Inhalt
Aristoteles, den alle Ari nennen, und Dante lernen sich – beide 15jährig – im Schwimmbad kennen. Beide stammen aus Einwandererfamilien, doch während Dantes Eltern Akademiker sind und mit ihrem Sohn einen modernen, aufgeschlossenen und liberalen Umgang pflegen, wächst Ari in einer eher traditionell-hierarchischen Familie auf – mit all den üblichen Unnahbarkeiten im Verhältnis zu den Eltern. Gerade Aris Vater ist immer wieder sehr verschlossen und blockt Aris Versuche regelmäßig ab, Nähe und Vertrautheit aufzubauen. Vorgeblich sind es die traumatischen Erfahrungen aus seiner Soldatenzeit. Doch es gibt auch noch das Familien-Tabu, nämlich Aris großen Bruder, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt; ihn soll man gar nicht erwähnen, geschweige denn über ihn sprechen oder gar Fragen nach ihm stellen. Und so hat sich Ari selbst zu einem eher verschlossenen Jungen entwickelt, vor allem was seine eigenen Gefühle angeht – um gar nicht in Versuchung zu geraten, über sich selbst etwas zu Intimes preiszugeben, versucht er, sein Innenleben nach Möglichkeit zu ignorieren. Die zwei scheinbar gänzlich verschiedenen Jugendlichen freunden sich an, denn Dante versteht es, auf Ari zuzugehen, seine offene Art nicht dem introvertierten Ari gegenüber auszuspielen, sondern im Gegenteil damit eine Vertrautheit aufzubauen, die Ari vorher nicht kannte. Die Geschichte dieser Freundschaft erzählt der Roman mit seinem barock anmutenden Titel über etwa anderthalb Jahre. Und in der Tat reden die beiden über alles miteinander, vom Alltäglichen bis zu den Letzten Dingen, die ja besonders das jugendliche Gemüt bewegen. Mit die schönsten Passagen dieser zunächst platonischen Freundschaftsgeschichte sind die, in denen Dante Ari zum Lesen verführt; denn diese Konstellation, dass ein Teenager zu einem anderen Freundschaft durchs Lesen aufbaut - noch dazu durch Gedichte -, mag zwar in Wirklichkeit vielleicht gar nicht so selten oder unwahrscheinlich sein, ihr fehlt aber weitgehend jedes zeitgenössische erzählerische Schema, auf dass der Autor zurückgreifen könnte, zumal im schwulen Coming-out-Roman oder –Film. Doch Benjamin Alire Saenz gelingt die Darstellung der sich in Ari entwickelnden Lust zu lesen und über das Gelesene zu reden in einer solchen Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, dass man lange vor Dantes und Aris schwulem Coming-out und Dantes Werben um Ari den erotischen Unterton spürt, dessen die beiden Jungs sich erst viel später bewusst werden sollen. Denn bevor die beiden auch als Liebespaar zusammenkommen, muss Ari Dante das Leben retten und sind beide ein dreiviertel Jahr voneinander getrennt. Und nach dieser Trennung gelingt Benjamin Alire Saenz wieder eine besonders intensive Darstellung, diesmal fängt er die Alltäglichkeit der zwangsläufigen Entfremdung durch eine Trennung ein, die nach und nach ausgeglichen, durch tastende Versuche erst wieder zum Verschwinden gebracht und schließlich zu noch intensiverer Nähe führt. Dante hat in der Zeit ohne Ari sein schwules Coming-out gehabt, wie nicht anders zu erwarten war, haben ihn seine Eltern unterstützt und auch sofort verstanden, dass Dante in Ari verliebt ist. Ganz anders Ari. Zwar spürt auch er, wie er sich zu Dante hingezogen fühlt, jedoch verleugnet er sein eigenes Schwulsein. Als Dante ihm seine Liebe gesteht, zieht sich Ari zunächst zurück, doch als er mitbekommt, dass Dante etwas mit einem anderen Jungen anfängt, ist er völlig verzweifelt. Erst eine gemeinsame Fahrt in die Einöde bringt dann Ari und Dante unter einem großen Sternenhimmel zusammen. Das glückliche Ende zu verraten nimmt diesem Roman nichts von seiner Eleganz, denn er lebt von seiner ruhigen und stetigen Entwicklung der Charaktere Aris und Dantes, vom bedächtigen aber umso intensiveren Aufbau von Intimität zwischen den beiden, davon wie er zeigt, dass für Ari und Dante geistige Nähe und körperliches Begehren letztlich ineinander übergehen. Und so ist das Buch nicht nur ein Coming-out-Roman und eine großartige Schilderung des ersten großen Verliebtseins – es ist zeit- und altersübergreifend ein Buch von schwuler Liebe überhaupt. Lesen und Glücklichsein.
(Veit empfiehlt - Frühlingskatalog 2015)
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