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Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray

Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray

Dt. v. Eike Schönfeld (neue Übersetzung). D 2014, 292 S., geb.,  22.60
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Inhalt
Der junge Dorian Gray verkörpert für den in der Londoner High Society verkehrenden Maler Basil Hallward die Muse, die ihm zu seiner vollen künstlerischen Entfaltung verhilft und als perfektes Vorzeigeobjekt für jugendliche Unberührtheit, Schönheit und Aufrichtigkeit dient. Basils sündenreicher Freund Lord Henry sieht in Dorian dagegen die wundervolle Chance, sich als Mentor zu verwirklichen und ihn seiner Vorstellung entsprechend zurechtzuformen. Während der geblendete Basil ihn mit Komplimenten überschüttet und seiner neu gewonnenen Leidenschaft in noch nie da gewesener Finesse seiner Bilder Ausdruck zu verleihen mag, bringt Lord Henry Dorian mit seinen paradoxen Philosophien und extremen Meinungen in Aufruhr und beginnt so, zunehmend den Geist des Jünglings für sich zu beanspruchen. Als Basil auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Daseins ein lebensechtes Gemälde von Dorian anfertigt und dieser vor dem vollendeten Kunstwerk steht, ahnt niemand den Schrecken der Zukunft. Dorian erschaudert bei dem Anblick und spricht voller Entzücken einen folgenschweren Wunsch aus: Möge er doch immer so jung und schön bleiben wie auf diesem Porträt, solle stattdessen das Bild altern und die Lasten des Lebens tragen. Sein Gebet wird auf mysteriöse Weise erhört und Dorian, vergiftet durch den schlechten Einfluss von Lord Henry, wird immer mehr zum Opfer seiner inneren Abgründe. Nach außen hin ganz makellos weiß nur er allein Bescheid vom grässlichen Spiegel seiner Seele, dem versteckten Bildnis auf dem Dachboden. Verschleiert schwingt in Oscar Wildes einzigem Roman das Thema der Homosexualität mit. Viel dreht sich um männliche Schönheit und Jugend, um die zweifelhafte Moral der Gesellschaft, um verborgene Sünden und um Schuldgefühle. Die Sprache ist nicht gerade die einfachste, hat man sich aber erst einmal eingelesen, wird man von der Handlung vereinnahmt. Mein Bezug ist vielleicht nicht allzu schwer zu erkennen: Von meiner Großmutter weiß ich, dass meine Mutter sich für eben diesen Namen entschied, nachdem sie »Das Bildnis des Dorian Gray« gelesen hatte. Weshalb bleibt allerdings offen, meinen Namen mag ich jedenfalls. Mir sagen die zum Nachdenken anregenden Passagen, in denen sich Dorian mit Lord Henry über die philosophischen Hintergründe des Lebens, die Unbegründbarkeit von gesellschaftlichen Moralvorstellungen und die möglichen zügellosen Freuden des Lebens unterhält, sehr zu - ich finde die Ansichten der beiden interessant und die Form der Dialoge gibt dem Buch einen ganz besonderen intellektuellen Anstrich, der mir gefällt. Anderen mögen sie vielleicht etwas langatmig erscheinen, was aber bei der Länge dieser Unterhaltungen auch durchaus verständlich ist - als ich den Roman das erste Mal in der Hand hatte habe ich diese Stellen auch immer wieder mal übersprungen. Ich mag auch die Atmosphäre des Romans, das Zeitalter, in dem die Handlung spielt und das geheimnisvolle Doppelleben des Protagonisten. Auf der einen Seite gibt Dorian den feinen Gentleman, der sich von der überdurchschnittlichen Zuneigung des weiblichen Geschlechts kaum befreien kann, andererseits lebt er seine dunklen Leidenschaften voll aus, ja, er wird sogar zum Mörder!
(Dorian empfiehlt - Sommer 2014)
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