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Denice Bourbon: Cheers!

Denice Bourbon: Cheers!

Stories of a Fabulous Queer Femme in Action. Ö 2013, 364 pp. with b/w + colour photographs, brochure,  19.95
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Inhalt
Denice Bourbon ist Kult. Ihre queer-feministischen Performances widersetzen sich einer Einordnung, sie ist so etwas wie die lesbische Antwort auf eine Mischung aus Pam Ann, Ab Fab und Georgette Dee – nur politischer. Nicht dass Traktat oder Kampfrede ihr klassisches Metier wären; diese Zeiten liegen hinter ihr. Zum Glück schärft Alkohol Denicens Erinnerungsvermögen, und weil sie davon reichlich zu sich nimmt, sprudeln die Erinnerungen in diesem Buch nur so aus ihr heraus. Auf Englisch übrigens – auch wenn dies nicht ihre Muttersprache ist. Denice Bourbon ist Finno-Schwedin, aufgewachsen in einem kleinen Ort, jenseits des Endes der Welt. Ihr Englisch ist das der Soaps und Serien – flott, leicht verständlich, pointiert, der genrebedingt nicht sehr umfangreiche Wortschatz aufgepeppt durch eigene Kreationen, die sich mitunter wohl auch ihr selbst nur lautmalerisch oder durch den Zusammenhang erklären. Sie hat auch einen sachlichen Grund, warum sie nicht auf Deutsch schreibt, denn die Sprache spricht sie durchaus. Aber: Deutsch ist nicht witzig, vor allem der Satzbau ist für sie ein einziger Pointen-Killer. Wie immer die eigenen Erfahrungen zu dieser These sind: Denice Bourbon zeigt, dass nicht nur Sex in Fremdsprachen einen hohen Unterhaltungswert hat, sondern dass das vorgeprägte Englisch der Serienunterhaltung einen grandiosen Nährboden für Camp, Bitch-Talk und überhaupt queere Verfremdung darstellt. Schamlos erzählt sie so über ihre hemmungslose Schamlosigkeit, sei es in ihrer Wohngemeinschaft, sei es in der Öffentlichkeit. Ohne Alkohol und Sex ging da immer schon sehr wenig, Denice Bourbon lässt also ein wirklich interessantes Leben Revue passieren. Was Denice Bourbon jedoch über die verbreitete Form der lästernden Unterhaltung erhebt und zu einer Diseuse ganz eigener Art macht, ist ihr lesbisch-feministisch-aktivistischer Hintergrund. Die zum Brüllen komische Unterhaltung transportiert nämlich jede Menge Kritik, an Staat, Gesellschaft und vor allem menschlichem von der Geschlechternorm vorgeprägtem Lebensstil. Und an die selbstgewählten lesbisch-schwulen Normalitäten eckt sie damit immer wieder an – für viele Lesben ist Denice Bourbon viel zu schwul, für viele Schwule ist sie viel zu kämpferische Lesbe. So bricht sie die sicheren Lacher in ihrem autobiografischen Buch »Cheers« genauso wie bei ihren Performances nicht dadurch, dass das Lachen im Hals stecken bleibt, sondern dadurch, dass das Lachen über ihre lustigen Geschichten auf einmal ein Lachen über sich selbst wird – ein ziemlich sicherer Weg, niemals Mainstream zu werden, der Lachen zum Schenkelklopfen über andere verkommen lässt. Wer gut unterhalten werden will, wer ein außergewöhnliches Leben kennenlernen will, wer Sex, Glamour und Alkohol liebt und wer brillante Debatten im Vollrausch schätzt, sollte unbedingt »Cheers« zur Hand haben und immer wieder und vor allem unsystematisch Denice Bourbons Texte lesen.
(Veit empfiehlt - Frühling 2014)
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