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Alan Bennett: Die souveräne Leserin

Alan Bennett: Die souveräne Leserin

Dt.v. Ingo Herzke. D 2008, 116 S., geb.,  15.32
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Inhalt
Bei einem ihrer gewohnten Gartenspaziergänge reißen die beiden Hunde der britischen Königin aus. Die Königin folgt den beiden und findet sie außerhalb der Parkmauern bei einem Leihbibliotheks- Bus wieder. Eigentlich will sie nur für das Lärmen der Hunde um Entschuldigung bitten, besteigt also den Bus und nutzt auch gleich die Gelegenheit, um sich ein Buch auszuleihen. Das ausgewählte Buch erweist sich jedoch als anstrengend und ermüdend. Dennoch liest sie das Buch zu Ende und bringt es auch persönlich wieder in den, wie sie nun weiß, regelmäßig an Ihrem Park haltenden Bibliotheks-Bus zurück, fest entschlossen, kein weiteres Buch anrühren, geschweige denn lesen zu wollen. Beim Zurückgeben des Buches tut sie ihre abschätzige Meinung kund. Der schwule Küchenjunge Norman, der wie immer in diesem Bus schmökert, verwickelt daraufhin die Queen in ein anregendes Gespräch, woraufhin diese beschließt, sich noch ein Buch auszuleihen. Dieses Buch fesselt sie derart, dass sie sogar einen Tag lang ihre Pflichten versäumt, um das Buch zu beenden. Beim nächsten Treffen mit Sir Kevin, ihrem Privatsekretär, befiehlt sie diesem, ihr Norman als Mitarbeiter zur Seite zu stellen. Norman versorgt von da an die Königin mit immer neuem Lesestoff, der hauptsächlich aus Normans schwulen Lieblingsautoren besteht. Da die Königin nicht nur Bücher immer lieber liest, sondern auch ihre Leseerfahrungen mit anderen teilen will, nutzt sie das Zusammentreffen mit dem französischen Präsidenten für einen kleinen Plausch über Jean Genet. Der Präsident zeigt sich beim schwulen Outlaw eher hilflos und so schwenkt sie auf den kanonisierten Schwulen Proust um. Dieses neu gefundene literarische Interesse der Königin gefällt Sir Kevin und dem Premierminister gar nicht und die beiden versuchen, die Königin von ihren geliebten Büchern zu trennen, weil die Gespräche über Literatur Politik und Diplomatie im höchsten Maß verwirren. Ich hatte beim Lesen dieses Buches immer ein ruhiges, entspanntes Gefühl, wenn mir wirbelnde Gedanken in meinem Kopf herumgingen, beruhigten und klärten sie sich. So konnte ich in gewisser Weise das Lesen mit der Hauptfigur Elizabeth II. neu entdecken. Mir hat gefallen, dass ihr Assistent Norman die Queen als alte etwas schrullige Dame sieht, um die er sich kümmert und ihr viele schwule Bücher empfiehlt. Die Königin ist dabei ein Charakter, der dem Buch die Klarheit verleiht. Sie, eine der Welt entrückte Persönlichkeit, die sich mit souveräner Selbstverständlichkeit durchsetzt und dabei ihre Machtmittel nie einsetzen muss. Als die Literatur die alte Dame in den Bann zieht, schwärmt sie vom Lesen ohne Rücksicht auf ihre unbelesene und entsprechend genervte Umgebung. Ihre Arbeit wird ihr zunehmend schal, sie beginnt sich zu verspäten und schmuggelt ihre Bücher heimlich in die Kutsche. Durch das Lesen erlangt sie einen Zugang zu Erfahrungen, die sie in ihrer Abgeschiedenheit nie hätte machen können. Mir sind die meisten Autoren, die im Buch erwähnt werden, nur vom Namen bekannt, auch wenn die meisten mir täglich als Klassiker in der Buchhandlung begegnen. Mögen mir deshalb auch nicht alle Anspielungen und Pointen klar geworden sein, hat mich die witzige Geschichte dieses Buches immer wieder an meine eigenen ersten Begegnungen mit Büchern erinnert. Die Geschichte beschreibt, wie die Königin sich langsam an vermeintlich schwere Literatur herantastet, die sie dann beim Lesen schlussendlich einfach genießen kann. Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass Autorinnen und Autoren oft längst nicht so interessant sind wie ihre Werke, dass es womöglich gar keinen Zusammenhang hier gibt. In »Die souveräne Leserin« gibt die Königin einen Empfang, um die Autoren der faszinierenden Geschichten einmal persönlich kennenzulernen und mit ihnen über ihre Werke zu diskutieren. Die Ernüchterung ist jedoch groß, da die Schöpfer der wundervollen Texte nicht ihrem erwarteten Ideal entsprechen. Und genauso ist es auch mit der souveränen Leserin, der Queen, selbst: Die Romanfigur zeigt sich dem Thema Homosexualität aufgeschlossen und interessiert; das lebende Vorbild geht diesem Thema freilich - im Gegensatz zu anderen gesellschaftlichen Themen - aus dem Weg. (Michael empfiehlt, Herbst 2012)
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