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Larry Kramer: Schwuchteln

Larry Kramer: Schwuchteln

Die Besten. Bd.6. Dt. v. Peter Peschke. D 2011, 415 S., geb.,  13.31
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Bruno Gmünder - Die Besten 6
Inhalt
Mir erscheint es wie eine Traumwelt, was Larry Kramer beschreibt: eine Welt, die sich von New York bis nach Fire Island erstreckt. Seine Schreibweise ist mir am Anfang verwirrend erschienen, mal schildert eine Person in Ich-Perspektive das Geschehen, darauf folgen beschreibende, sachlich gehaltene Berichte in auktorialem Stil. Zu Beginn hat es den Charakter eines Sachbuchs und wechselt dann in die Erzählform eines Romans. Diese wird ab und an von Aufzählungen, Erklärungen und Beschreibungen unterbrochen, die mitunter eher einem Reiseführer gleichen. »Schwuchteln « macht auf mich den Eindruck eines Reiseromans, der das schwule Antlitz eines New Yorks der 70er Jahre zeigt. Der Autor lässt eine Vielzahl von Persönlichkeiten in seinem Roman auftreten. Durch den abwechslungsreichen Erzählstil und das abrupte Tauschen von Perspektiven musste ich mich anfangs erst einmal darauf einstellen – so ganz anders als das übliche Story-Telling liest sich »Schwuchteln «. Etliche der vielen Charaktere gewähren dabei einen Einblick in ihre Vergangenheit, in ihr sexuelles Erwachen. Nachdem der Autor alle seine Charaktere vorgestellt hat, geht die Handlung mit rasantem Tempo los. Den Anfang macht eine Orgie, in der im Drogenrausch der amtierende Schönheitskönig »der Winston-Mann« symbolisch das Zepter seinem Nachfolger in die Hand drückt und mit ihm alle, die einen Platz bei diesem Schauspiel ergattern konnten, die teure Tapete ansauen. Als Nächstes steht ein Besuch im Badehaus an, das nach ein paar Emotionsausbrüchen auf einmal in Flammen steht. Manche ziehen sich nach der Flucht, froh am Leben zu sein, Arm in Arm ins kuschelige Bett zurück und träumen von einer innigen Beziehung. Doch einigen ist es für diesen Tag noch nicht genug Aufregung und daher geht es weiter in den versteckten Fetisch-Keller. Aber auch hier ist das Vergnügen nur von kurzer Dauer und dank der Polizei muss so mancher seinen Schönheitsschlaf im Gefängnis halten. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt allerdings nicht, da ja die Eröffnung der »Toilet Bowl« auf dem Programm steht, der neuen schwulen Discowunderwelt, in der Träume zerbrechen, Fäuste dem Liebesfrust Ausdruck verleihen, unsittliche Allianzen geschlossen, Engel vom glitzernden Himmel zu Tode stürzen und eine Disco-Queen geboren wird. Der Abschluss findet im Sommerdunst auf »Fire Island« statt, wo blauäugige hetero Filmproduzenten die halbe Familie bei homosexuellen Verzückungen antreffen und wo exzentrische reiche single Damen sich der Herausforderung stellen, das schwule Inselvölkchen zu bekehren. Sie sollen im Hafen der Ehe stranden. Und inmitten all dieses heiteren Wochenendes sucht Fred nach der Liebe. Mich hat die realistische Tiefe der Charaktere beeindruckt, ihre widersprüchliche Art. Der Autor erzählt von keinen geradlinigen Helden, die immer wissen, was wann zu tun ist. Zum Beispiel Randy, der 30-jährige Firmen-Präsident, der scheinbar alles erreicht hat. Er hat jede Menge Sex, Geld und gutes Essen. Gut aussehend war er schon immer, kurzum, ein gefürchteter mächtiger Mann. Vielleicht gerade deshalb lebt er sein Privatleben im Verborgenen: ungeoutet cruist er mit Sonnenbrille im nächtlichen New York. Doch wenn ihm jemand klar ins Gesicht sagt, dass er schwul sei, leugnet er es panisch und läuft davon – und das, obwohl er eigentlich nichts zu befürchten hätte. Dann ist da noch Fred, auch recht erfolgreich doch eher ängstlich und zweifelnd, der der Liebe hinterherläuft und nicht aufgibt, weil das für ihn so etwas wie der Sinn des Lebens ist. Im Roman muss er des Öfteren scheitern, um zu verstehen, warum es nicht nach seinen sturen Vorstellungen funktionieren kann. Mir gefällt, dass die Figuren ihre Meinungen und Pläne immer wieder ändern. Nie wissend, was mich auf der nächsten Seite erwartet, bin ich in der Geschichte und in meinen Emotionen aufgegangen: Ich habe gelacht, war entsetzt, immer wieder zutiefst überrascht. (Michael empfiehlt, Frühling 2012)
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