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David Sedaris: Das Leben ist kein Streichelzoo

David Sedaris: Das Leben ist kein Streichelzoo

Fiese Fabeln. Dt. v. Georg Deggerich. D 2011, 175 S. mit Illustrationen, Pb,  8.21
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Heyne
Inhalt
Eigentlich sind die Geschichten von David Sedaris Fabeln. Allerdings fiel es mir schwer, sie als Tier-Geschichten auf Distanz zu halten. Und obwohl die Ankündigung als »fiese Fabeln« schwarzen Humor oder Satire erwarten ließ, wirkten sie auf mich eher bedrückend und stimmten mich melancholisch. Die meisten machten mich jedoch nachdenklich. Einzig die Fabel vom Uhu, die letzte in der kleinen Sammlung, fand ich voller Situationskomik, immer wieder zum Lachen und einen insgesamt erheiternden Abschluss: Ein verwitweter Uhu begann nach dem Verlust seiner Frau neugierig zu werden. Er wollte sich fortbilden und machte von nun an seiner Beute ein Angebot: »Bring mir was Neues bei, und ich lasse dich laufen.« Seine Familie belächelte seinen Wissensdurst nur. Sie fanden es jedoch sehr praktisch, ihm zu folgen und ihrerseits dann die freigelassene Beute zu verspeisen. »Das spart Zeit«, erklärte die Schwester. Eines abends erfuhr er von einer erbeuteten Ratte eine Geschichte, die so abwegig war, dass die wahr sein musste. Gleichwohl wollte er sie unbedingt überprüfen. Die Ratte erzählte ihm, dass eine bestimmte Art von Blutegel im Rektum eines Nilpferds leben könne. So begab sich der Uhu in den Zoo, um dies aufzuklären. Er schloss Freundschaft mit der dort lebenden Nilpferddame. Nach ein wenig Geplauder kam er auf die Blutegel zu sprechen. Die Nilpferddame konnte dies bestätigen, da sie selbst welche beherbergte. Ärgerlich jedoch fand sie, dass sie die Egel nicht verstand, konnte sie doch nur ein Murmeln vernehmen. Das Interesse des Uhus war geweckt, und eine nähere Inspektion ergab, dass die Blutegel nicht nur murmelten sondern sangen - doch was? Eine wirklich ebenso lustige wie pikante Geschichte. Dagegen ist die Fabel von der Henne fast schon eine Horrorgeschichte: Eine bedächtige braune Henne musste mit ansehen, wie ihre Schwester von der Hand der Bäuerin einen schnellen Tod fand. Zuvor hatte ihre Schwester ihr noch offenbart, dass sie sich den Hahn, beim Techtelmechtel im Hühnerstall, als Henne vorstellte. Die braune Henne war überzeugt davon, dass ihre Schwester nur auf Grund ihrer unanständigen und verqueren Gedanken bestraft worden war. Denn anständige Kreaturen lebten so lange, bis sie nicht mehr konnten und kamen danach in ein Paradies. Von da an flüsterte die braune Henne dem Hahn immer Liebesschwüre zu. Doch der hackte ihr bloß genervt von dem Geschwafel ein Auge aus. Von den anderen Hennen verspottet - sowohl wegen der Liebesschwüre als auch wegen des einen Auges - zog sich die Henne zurück. Einzig ein mitfühlendes Perlhuhn, das nur so viel aß, wie es brauchte, und den Rest den Singvögeln überließ, redete noch mit ihr. Doch auch das Perlhuhn wurde schließlich von einem Bussard geschnappt. Für unsere braune Henne ein Beweis dafür, dass Mitgefühl und Verzicht verkehrt und der Grund für den vorzeitigen Tod des Perlhuhns waren.Von da an beschloss die braune Henne, so viel zu essen, wie sie konnte, und Singvögel zu hassen. Als eines Nachts ein Fuchs in den Hühnerstall einbrach und die hübsche graue Henne fraß, hörte die braune Henne auf sich zu waschen. Der Weg ins Hühnerparadies wurde immer komplizierter, die allzu menschliche Hühnerlogik machte alles immer schwerer. – Für so zartbesaitete Gemüter wie mich empfehle ich nur eine solche Fabel pro Tag. Und auch beim nochmaligen Lesen haben die Geschichten nichts von ihrer Intensität und ihrem eigentümlichen Charme für mich verloren. Mit seinem Partner lebt David Sedaris zurzeit abwechselnd in Paris, in einem Haus in der Normandie und in London. 2001 gewann er für »Me Talk Pretty One Day« (Deutsch: »Ich ein Tag sprechen hübsch«) den Thurber Prize for American Humor und 2004 den Lambda Literary Award für »Dress Your Family in Corduroy and Denim« (Deutsch: »Nachtprogramm«). »Das Leben ist kein Streichelzoo« enthält Illustrationen von Ian Falcone, der für seine Kinderbuchserie »Olivia« bekannt ist. Die Zeichnungen sind schwarz-weiß oder Collagen mit Orange als Schmuckfarbe – die Farbkombination wiederholt sich auch auf Einband, Schutzumschlag und im Drucksatz. Also auch ein besonders schön ausgestattetes Bändchen. (Michael empfiehlt, Herbst 2011)
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