Congratulations to Giovanni’s Room and to Ed Hermance

Von Jürgen Ostler

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Buchhandlung Löwenherz congratulates Giovanni’s Room and its owner, Ed Hermance, on the occasion of the bookshop’s 40th anniversary, to be celebrated Saturday, October 5, 2013.

It is now 2013 – 20 years ago in July 1993 the first gay and lesbian bookshop in Austria, Löwenherz, opened its doors in Vienna’s 9th district. But it isn’t and hasn’t been the first of its kind if you consider the whole Gay Planet. There were many others coming before us. They were models for Bookshop Löwenherz. One of them is Giovanni’s Room. We are walking in their footsteps.

Giovanni’s Room

Giovanni’s Room

But many of our predecessors haven’t made it up to this day. Remember the A Different Light bookshops, or Oscar Wilde in the USA, remember Sodom, Lavendelschwert, Männertreu, Ganymed, or Max & Milian in Germany – just to mention a few. They have all provided LGBT literature plus pride stuff, CDs and DVDs to their communities. They were hotspots of LGBT culture with their readings and other events. They were offering workplaces for their LGBT personnel. In the 1990s and early 2000s all of us LGBT bookshops were thriving over the globe. But now times have become hard for us. That’s why many have given up; why many had to close their doors forever. Weiterlesen

Stefan Broniowski: Mein Lieblingsbuch

Dirck Linck: Halbweib und Maskenbildner

Dirck Linck: Halbweib und Maskenbildner

Dirck Linck: Halbweib und Maskenbildner. Subjektivität und schwule Erfahrung im Werk Josef Winklers

Mein Lieblingsbuch? Habe ich so was überhaupt? Als Kind hätte ich sicher eines benennen können und auch noch als Jugendlicher, weil man da nach solchen Sachen gefragt wurde und eine Identität vorzuweisen hatte. Aber seit die Zahl der gelesenen Bücher ziemlich unübersichtlich geworden ist und Geschmack und Kenntnisse sich vertieft und verstreut haben, gibt es das einfach nicht mehr, dieses eine Buch, das mir lieber ist als alle anderen. Ich bin also wohl ein promisker Leser.
Mit einem Lieblingsbuch kann ich demnach nicht dienen, aber ich kann, und das passt ja gut zum 20-Jahr-Jubiläum von »Löwenherz«, von dem Buch erzählen, dass ich damals als erstes in dem neu eröffneten Laden kaufte. (Oder wenigstens als eines der ersten, denn es mag sein, dass die Erinnerung mich trügt.) Es handelt sich dabei um »Halbweib und Maskenbildner« von Dirck Linck, erschienen im Verlag rosa Winkel als »Homosexualität und Literatur, Band 7«, eine literaturwissenschaftliche Arbeit über das (bis 1992 erschienene) Werk Josef Winklers. Weiterlesen

Wandel zum Guten?

Von Andreas Brunner

(English Version)

Ed Hermance

Ed Hermance – Foto: Kimberly Paynter/WHYY

Die Buchhandlung Löwenherz feierte Ende Juni ihren 20. Geburtstag, die Buchhandlung »Giovanni’s Room«, die älteste noch existierende Buchhandlung der frühen Schwulen- und Lesbenbewegung in den USA begeht Anfang Oktober ihren 40. Geburtstag – und es ist zu befürchten, dass es der letzte sein wird. Mit 73 Jahren denkt der Besitzer Ed Hermance ans Aufhören und sucht bislang vergeblich nach Nachfolger_innen, die die Institution weiterführen möchten, obwohl man sich im schwul/lesbischen Buchhandel keine goldene Nase verdienen kann. Aber das ist nur eine Seite der Medaille.

Ich erinnere mich noch an die Vorbereitungsphase vor der Eröffnung der Buchhandlung Löwenherz 1993 und an die Jahre danach, als uns Ed Hermance eine unersetzbare Stütze war. Und er ist es laut Auskunft der Löwenherzen bis heute, obwohl sein Geschäft selbst alles andere als gewinnbringend läuft. Es ist heute schwer vorstellbar, wie der Buchhandel anno 1993 funktionierte. Englischsprachige Bücher, die man heute mit ein paar Klicks im Internet bekommt, waren vor zwanzig Jahren nur sehr schwer und zu sehr ungünstigen Konditionen zu bestellen, dazu kamen die hohen Frachtkosten, was die Bücher extrem teuer machte. Noch entscheidender war es aber als Buchhändler überhaupt an Informationen zu kommen, welche interessanten Bücher in Amerika überhaupt lieferbar waren. Weiterlesen

Literatur aus und über Marokko

Anlässlich der Neuerscheinung »Marokkanische Minze« von Gregorio Ortega Coto haben wir eine Themenseite über Marokko in der schwulen Literatur zusammen gestellt. Marokko ist für viele Schwule Europas und Amerikas immer wieder ein Ort der Sehnsucht gewesen. Trotz massiver gesellschaftlicher Ablehnung und staatlicher Repression existiert jedoch, besonders in den Städten vor allem unter europäischen Urlaubern und Auswanderern eine relativ große Schwulen- und Lesbenszene. Der koloniale Blick auf Marokko hielt sich in der europäischen Literatur noch lange, Marokko blieb Objekt und Folie für Projektionen, eigene Stimmen schwulen marokkanischen Lebens sind erst in jüngerer Zeit laut bzw. wahrgenommen worden.

Themenseite ansehen: loewenherz.at/themenseite-marokko.php

Dino Heicker: Mein Lieblingsbuch

Michael Sollorz: Abel und Joe

Michael Sollorz: Abel und Joe

Michael Sollorz: Abel und Joe

Ein Tag und eine Nacht in Berlin Ende des vergangenen Jahrhunderts: Abel sucht seinen Freund und findet doch nur sich selbst. So könnte man kurz die Handlung von Michael Sollorz‘ 1994 erschienenem Buch »Abel und Joe« umreißen. Es war der erste veröffentlichte Roman des 1962 in Ostberlin auf die Welt gekommenen Schriftstellers; erschienen ist er seinerzeit im verdienten, nun leider auch schon nicht mehr existierenden Berliner Verlag rosa Winkel.

Aufgeteilt in die vier Abschnitte »Der Morgen«, »Der Tag«, »Die Nacht« und »Der neue Tag« schildert das Buch, wie der ostdeutsche Filmkritiker Abel am 28. August seinen Freund Joe zu finden versucht. Der aus der katholisch-kleinkarierten Provinz Westdeutschlands stammende Bühnenbildner ist nämlich aus der gemeinsamen Wohnung spurlos verschwunden. Hat er die notorische Untreue seines Partners nicht mehr ertragen? War die Berliner Luft zu rau für ihn? Abel ist ratlos. Was bleibt, sind Erinnerungen an das Kennenlernen in einer Sauna, an den gelebten Alltag als Paar, aber auch an die gemeinsam besuchten Männer. Einer derselben, der taubstumme Engel mit dem Riesenschwanz, hatte Abel einst gewarnt: »Gib acht, Abel! Es sind nicht alle wie du.« Weiterlesen

Patricia Bohrn: Mein Lieblingsbuch

Doris Lessing: Das Tagebuch der Jane Somers

Oder: eine Geschichte von Anreicherung, Neuordnung und Integration

Doris Lessing: Das Tagebuch der Jane Somers

Doris Lessing: Das Tagebuch der Jane Somers

Die Autorin Doris Lessing wurde wohl eher durch Werke wie »Afrikanische Tragödie« (1949), »Das goldene Notizbuch« (1962) oder »Das fünfte Kind« (1988) bekannt als durch den vorliegenden Roman »Das Tagebuch der Jane Somers« (1983). Die damals in den 80er Jahren schon für ihre aufrüttelnden Bücher berühmte Autorin mokierte sich über die eitle Literaturszene, indem sie den Roman eben unter jenem Pseudonym der Protagonistin an zahlreiche Verlage schickte, wo er in Folge vorerst einmal abgelehnt, unter dem Namen Doris Lessing jedoch schließlich veröffentlicht wurde.

Nach Beschäftigung mit einigen ihrer Texte lässt sich feststellen, dass sie im Allgemeinen durchaus keine gefällige, unterhaltende Literatur produzierte, sondern Kraft ihrer Romane und Geschichten soziale Missstände aufzeigen und kritisieren wollte – sie arbeitete also, systemisch betrachtet, an der Bildung von Unterschieden, die einen Unterschied machen sollten. Rückblickend auf ihr Werk beschreibt Doris Lessing eines ihrer Hauptanliegen wie folgt

Alles, was Literatur bewirkt, ist, dass sie die humanistischen Werte bestärkt, die Wertschätzung des Individuums. Sie bestärkt die Einfühlnahme für verschiedene Arten von Menschen. Sie bringt sie in die Lage, das Leben anderer Menschen mit Mitgefühl zu betrachten. (KLfG, s.d.)

Wachsam und unbequem bleibt sie bis ins hohe Alter: Als sie 88-jährig, im Jahr 2007, endlich den Nobelpreis für Literatur erhält, bezeichnet sie diesen einerseits erfreut als „Royal Flush“, um ihn andererseits ein wenig später schon als zeitraubendes Desaster zu deklassieren (vgl. Berliner Literaturkritik 2009). Weiterlesen

Patricia Bohrn: Mein Lieblingsfilm

Hayao Miyazaki: Mein Nachbar Totoro (1988)

Hayao Miyazaki: Mein Nachbar Totoro

Hayao Miyazaki: Mein Nachbar Totoro

Durch Zufall auf ARTE innerhalb einer Sendereihe im April 2010 entdeckt, erscheint mir die Arbeit des japanischen Drehbuchautors und Regisseurs von Zeichentrickfilmen Hayao Miyazaki geradezu bemerkens- und besprechenswert als ein ideologisches Gleichgewicht zu den klassischen Disneyfilmen, in denen die Geschichte oft entlang von Gegensatzpaaren wie gut–böse, schön–hässlich oder jung–alt (um nur einige wenige zu nennen) entwickelt und erzählt wird und verdient unter anderem schon deswegen eingehendere Beachtung. Miyazaki wurde als Regisseur und Drehbuchautor mit Zeichentrickfilmen auch in Europa berühmt, wie zum Beispiel: »Nausicaä aus dem Tal der Winde« (1984), »Das Schloss im Himmel« (1986), »Prinzessin Mononoke« (1997), »Das wandelnde Schloss« (2004) und mit »Chihiros Reise ins Zauberland« (2001), wofür ihm der Goldene Bär 2002 und ein Oscar 2003 verliehen wurden. Von seinem Werk als Zeichner sind wohl die Serien »Heidi« (1974) und »Marco« (1976) die uns am bekanntesten. Weiterlesen