Rosa von Praunheim
Der
Filmregisseur Rosa von Praunheim ist nicht nur einer der bedeutendsten Vertreter des modernen deutschen Films, vor allem brachte er mit seinem Dokumentarfilm »Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt« der Debatte um lesbisch-schwule Gleichberechtigung zugleich Öffentlichkeit als auch Argumentationsstoff. Rosa von Praunheim ist darum Wegbereiter und Mitbegründer der zweiten Schwulen- und Lesbenbewegung in Deutschland. Über 50 Filme hat Rosa von Praunheim seit 1969 gedreht, Schwule und Lesben waren dabei sein wichtigstes Thema neben »älteren wilden Frauen« (wie Lotti Huber oder Evelyn Künneke) und der AIDS-Krise bzw. der AIDS-Prävention.
Eine herausragende Rolle spielt für Rosa von Praunheim die Stadt New York, die er als die aufregendste Stadt der Welt erlebte und deren Widersprüche er in seinem Film »Überleben in New York« beschrieb. Mit seinem jüngsten Film »New York Memories« setzt er diesen Film fort und trifft die Protagonistinnen und Protagonisten von damals wieder.
Neben wenigen Einzelausgaben auf DVD gibt es vor allem die große Sammelbox mit allen schwulen Filmen:

D 1969 - 2008, OF, 17 DVDs in Stahlbox mit Booklet, insg. 1254 min., € 149.99
Seit nunmehr 40 Jahren macht Rosa von Praunheim schwule Filme. Mit dem Film »Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt« wirbelte er 1970 viel Staub auf. Einmal benannte er die wahren Probleme beim Namen und hielt der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft vor, dass sie mit ihrer Behandlung der Homosexuellen die schwule Malaise erst verursachen. Der Film – stilistisch bewusst amateurhaft gehalten – ist heute ein Meilenstein der bundesdeutschen Filmgeschichte. Heute mit über 60 Jahren kann Rosa von Praunheim auf ein stattliches Oeuvre mit schwulem Einschlag zurückblicken. Er kann als einer der ersten Schwulenfilmer nach dem 2. Weltkrieg angesehen werden und gleichzeitig auch als einer der produktivsten. Das hier in einer DVD-Box zusammengefasste, »schwule« Oeuvre umfasst das Praunheim’sche Schaffen von 1969 – 2008, insgesamt 20 Filme auf 17 DVDs, darunter die Aids-Trilogie, ein Musical, Dokumentarfilme (darunter das Dokudrama »Ich bin meine eigene Frau« über Charlotte von Mahlsdorf), Selbstporträts und der Film über den Kannibalen von Rotenburg. Trotz aller Erfolge der Schwulenpolitik bleibt viel zu tun – und Rosa von Praunheim gibt sich weiterhin kämpferisch.

D 2004, dt. OF, 78 min. + 49 min. Bonusmaterial, € 17.90
Noch nie hat Rosa von Praunheim einen Bogen um einen potenziellen Skandal gemacht. Auch in seinem neuen Film fasst er ein heißes Eisen an: schwule Nazis. Das Thema hat viele Facetten. Ein Ernst Röhm war in den 30er Jahren im innersten Zirkel des Naziregimes, wurde aber im Röhm-Putsch von 1936 durch Hitler beseitigt. Viele Schwule überlebten die Inhaftierung in Konzentrationslagern nicht. Trotzdem gab und gibt es in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg Neonazis, die gleichzeitig mehr oder weniger offen schwul waren/sind. Neonazi Michael Kühnen, der zeitweise den Anspruch erhob, der neue »Führer« zu sein, und im Gefängnis an den Folgen von Aids verstarb, sah in schwulen Männern die idealen Kämpfer. Ex-Neonazi Bernd E. Althans musste wegen Leugnung des Holocausts eine Haftstrafe absitzen und veranstaltet heute Schwulenpartys in Berlin. Praunheims Film porträtiert schwule, rechtsextreme Männer, Aussteiger aus der rechten Szene, die von ihrer Faszination für Uniformen und Männerbündelei berichten. Auch die schwulen Nazis von gestern werden in das Bild eingebunden.

D 1999, OF, 102 min., € 17.99
Rosa von Praunheim erzählt in seinem Film die bewegende Lebensgeschichte des einst weltbekannten deutschen Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld, den amerikanische Journalisten in den 20er Jahren den »Einstein des Sex« nannten. Hirschfeld war einer der profiliertesten Kämpfer für die Entkriminalisierung der Homosexualität und für ein liberales Sexualstrafrecht. Mit dem von ihm in Berlin 1920 gegründeten Institut für Sexualforschung als anerkannte Wissenschaft. Rosa von Praunheim zeigt aber nicht nur den Kämpfer und Wissenschaftler, sondern vor allem auch den Menschen Magnus Hirschfeld mit seinen Gefühlen, Hoffnungen und Träumen. Es entsteht so ein Porträt einer zu Unrecht fast vergessenen Persönlichkeit, die ihrer Zeit weit voraus war.
Allerdings hat sich Rosa von Praunheim nie für "die" Bewegung vereinnahmen lassen, hatte immer seine eigenen Vorstellungen, die zum Teil auch unter Schwulen und Lesben nicht nur kontroversiell, sondern oft auch mit erbitterter Feindschaft diskutiert wurden. »Manche bezeichnen mich als den beliebtesten und manche als den unbeliebtesten schwulen Filmregisseur Deutschlands. Und dafür habe ich eine ganze Menge getan. Seit über 30 Jahren nerve ich nun die Nation mit meinen über 60 Filmen, endlosen Talkshows, vielen Büchern, Hörspielen und Theaterstücken«, schreibt Rosa von Praunheim auf seiner eigenen Website
www.rosavonpraunheim.de.
Einen besonders guten Eindruck vom schillernden Filmemacher bekommt man vor allem in seinem jüngsten Buch:
Filme und Tagebücher seit 1960. D 2009, 336 S., geb., € 30.63
Seit 40 Jahren dreht Rosa von Praunheim Spiel- und Dokumentarfilme. Er ist nicht nur einer der produktivsten schwulen Filmemacher der Welt, sondern vielleicht auch einer der schillerndsten. Mit dem provokativen »Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt« schrieb er bundesdeutsche Filmgeschichte und erhitzte die Gemüter. Mit 17 begann er Tagebuch zu führen. Die Tagebücher begleiten sein kämpferisches Schaffen bis heute und flossen in »Rosas Rache« ein. Darin rechnet mit sich selbst, seiner Umwelt, seinen Feinden, mit spießigen Schwulen, Heteros und Menschen, die die Kunst verraten, gnadenlos ab. Seine Adoptiv-Mutter sagte ihm einmal, sie hätte zwei Weltkriege überlebt: er sei nun so etwas wie der Dritte.