Amanda Sthers: Schweine züchten in Nazareth
Dt. v. Karin Ehrhardt. D 2011, 191 S., Broschur, € 17.47Kostenloser Versand innerhalb Österreichs.LuchterhandDavid hat eigentlich alles, was man sich wünschen kann: Einen Lover, der ihn nicht nur liebt, sondern auch unterstützt, als Schriftsteller feiert er einen Erfolg nach dem anderen, an Freunden mangelt es ihm auch nicht. Nur sein Vater, Harry, hat den Kontakt zu ihm abgebrochen. Dass sein Sohn schwul ist, kann er nicht verwinden. In Wahrheit verzehren sich jedoch beide nach einander: David schreibt unbeantwortete Briefe an Harry, der seinerseits ein ganzes Zimmer als Sammlung von David-Devotionalien eingerichtet hat. Harry scheint auf den ersten Blick überhaupt recht verschroben. Von seiner Frau geschieden hat er, der erfolgreiche Kardiologe, seine Praxis aufgegeben, um eine Schweinzucht in Nazareth zu betreiben. Doch in Israel weiß man das Gewerbe Harrys, des Sohns einer Holocaust-Überlebenden, nicht zu schätzen. Mit einem sephardischen Rabbi beginnt er in eine streitbare Freundschaft, fundamentalistische Christen wie Muslime wollen ihn vertreiben. Nebenbei macht er sich noch Sorgen um seine Tochter, eine ewige Studentin irgendeiner Geisteswissenschaft, die sich ständig in verheiratete Männer verliebt. Die familiäre Zerrissenheit scheint das verkorkste Verhältnis von David und seinem Vater Harry zu zementieren. - Als Briefroman erzählt, mit viel feinem und politisch unkorrektem jüdischen Witz gespickt, schildert »Schweine züchten in Nazareth« eine ebenso traurige wie anrührende Annäherung zwischen einem schwulem Sohn und seinem Vater.
